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TalentAward Ruhr 2017: Preisträger Lukas Wessel

Englandprojekt in Bochum: Persönlichkeit stärken – Horizonte erweitern

Lukas Wessel erhielt den TalentAward Ruhr 2017 für sein sozialpädagogisches „Englandprojekt“, bei dem Schülerinnen und Schüler der Werner-von-Siemens-Hauptschule in Bochum eine zehntägige Wandertour in Südengland selbst organisieren (Foto: Initiativkreis Ruhr).

Anfangs hatte Lukas Wessel, 23, Zweifel, ob er das packt. Ob er genügend Autorität und Begeisterungsfähigkeit besitzt, um Hauptschülerinnen und Hauptschüler für ein Projekt zu motivieren, das auf den ersten Blick so gar nicht nach dem Geschmack von Acht-, Neunt- und Zehntklässlern ist: zehn Tage intensiv zu wandern, ohne Handy oder andere elektronische Geräte im Gepäck. „Vor dieser Aufgabe hatte ich gehörigen Respekt“, erzählt der Student. Freunde hatten ihn 2016 gefragt, ob er mitmachen wolle bei einem ungewöhnlichen sozialpädagogischen Projekt von Studierenden der Privaten Hochschule Witten/Herdecke für Hauptschüler der Werner-von-Siemens-Schule in Bochum: „Raus aus der Schule, rein in die Natur“. Wessel sagte zu; im Jahr darauf übernahm er die Leitung.  

Das Ziel: den Jugendlichen neue Perspektiven eröffnen
Das Ziel: die Sozial- und Persönlichkeitskompetenz der Jugendlichen zu stärken. Mit Beginn des zweiten Schulhalbjahres im Januar 2017 trafen sich die Jugendlichen einmal in der Woche in einer AG, um unter Moderation von Wessel und anderen Studierenden Sport zu treiben, zu spielen, zu reden, Zelte aufbauen zu üben – und ein wenig Englisch zu lernen. Denn für die abschließende Wandertour sollte es im Sommer auf den „Saxon Shore Way“ im Südwesten der britischen Insel gehen, Tagesausflüge nach London und Canterbury inklusive. Mit dabei: Wessel und sieben andere Studierende sowie fünf Lehrkräfte der Werner-von-Siemens-Hauptschule. Warum nach England und nicht in die Eifel? „Wir wollten den Jugendlichen neue Perspektiven eröffnen und deutlich machen, dass es sich lohnt, eine Fremdsprache zu lernen. Viele von ihnen waren zuvor noch niemals im Ausland“, sagt Wessel.

Ein ehrgeiziges Projekt, nicht nur für die Schüler. Die Studierenden unter der formalen Leitung von Wessel mussten sowohl die wöchentlichen AGs vorbereiten und abhalten, als auch Spenden akquirieren und die Tour organisieren. Eine Herausforderung, die Etappen so zu wählen, dass sie niemand überfordern und dann passgenau für mehr als 30 Jugendliche Zeltplätze oder Übernachtungsmöglichkeiten in Sporthallen und kirchlichen Einrichtungen festmachen. „Das war so zeitintensiv, dass ich mein Studium ruhen lassen musste. Von April bis Juni war ich kaum in der Uni“, erzählt Wessel.

„Auf der Wanderung waren wir eine große Familie"
Bedauert hat er das keine Sekunde. Das liegt insbesondere an Rückmeldungen von Schülern wie Kim Böhnisch. Ein Junge, der im Sportunterricht meist als einer der Letzten in eine Mannschaft gewählt wurde, der aber bei der Wanderung auch auf langen Tagesetappen von mehr als 30 Kilometern nicht schlapp machte und viel Anerkennung von seinen Mitschülern erhielt. „Diejenigen, die mich sonst nicht gewählt haben, haben mich jetzt angefeuert. Auf der Wanderung waren wir eine große Familie. Jeder musste etwas dazu beitragen, damit alles funktioniert“, berichtet der Zehntklässler. Auch in der Schule habe sich für ihn einiges zum Positiven verändert. „Ich bin selbstbewusster geworden und gebe nun richtig Gas, um die Qualifikation für den Realschulabschluss zu schaffen.“

Wessel selbst hat das Projekt viele neue Einsichten vermittelt. Er hat erfahren, dass manche Schüler mit ihrem rauen Verhalten lediglich Unsicherheit und mangelnde Wertschätzung im Elternhaus kaschieren. „Ich habe sehr viel Dankbarkeit und Wärme zurückbekommen“, erzählt er. Inzwischen steht für den Studenten der Politik, Philosophie und Ökonomie fest, dass er später in seinem Beruf „irgendetwas mit jungen Menschen“ machen möchte. Doch das hat noch ein wenig Zeit. Sehr viel konkreter ist dagegen das nächste Englandprojekt im neuen Schuljahr. „Da mache ich auf jeden Fall wieder mit“, betont Wessel.

Ein aktuelles Foto des Preisträgers finden Sie hier.