Wunderbar. Wandelbar.
Wir gestalten das Ruhrgebiet.

7. Symposium „Der Phönix fliegt!“ diskutierte über „Christen in der Gesellschaft“

• Hochkarätiges Podium in der Essener Philharmonie
• Rund 2.000 Gäste beim Abendkongress
• Initiativkreis-Co-Moderator Lange: „Glaube ist das, was uns verbindet“

Großer Auflauf in der Essener Philharmonie: Mehr als 2.000 Gäste hatten sich zum Abendkongress am Montag, 12. November, angemeldet, den der Initiativkreis Ruhr und das Politische Forum Ruhr zum siebten Mal gemeinsam veranstalteten. Das Thema „Christen in der Gesellschaft“ gab Anlass zu einer spannenden Diskussion.

Warum und in welchen Lebenssituationen haben Menschen das Bedürfnis nach Sinnstiftung und Transzendenz? Welche stabilisierenden Funktionen bietet Religion als moralischer Kompass für den Zusammenhalt von Gesellschaften? Benötigen Politik, Moral und Ethik ein religiöses Fundament? Diesen und anderen Fragen ging das hochkarätig besetzte Podium nach, das Dr. Stephan Holthoff-Pförtner, Vorsitzender des Politischen Forums Ruhr, dem Publikum vorstellte: Dr. Antonius Hamers, Leiter des Katholischen Büros Nordrhein-Westfalen, Hans Leyendecker, Präsident des 37. Deutschen Evangelischen Kirchentages Dortmund 2019, Staatssekretär Nathanael Liminski, Chef der Staatskanzlei des Landes Nordrhein-Westfalen, Dr. Manfred Lütz, Arzt, Theologe und Leiter des Alexianer Krankenhauses Köln, sowie Schwester M. Ulrike Michalski, Leiterin der B.M.V.-Schule Essen. Prof. Michael Rutz, Präsident der Guardini Stiftung e.V., Berlin, führte durch die Diskussion.

„Vieles ist ins Wanken geraten“
„Wir leben in aufgeregten Zeiten“, sagte Dr. Thomas A. Lange, Co-Moderator des Initiativkreises Ruhr, in seinem Impulsvortrag. „Vieles ist ins Wanken geraten. Der gesellschaftliche Zusammenhalt bröckelt.“ Lange zitierte den Theologen Joseph Ratzinger, den späteren Papst Benedikt XVI., mit den Worten: „Und so ist die Kirche für viele heute zum Haupthindernis des Glaubens geworden. Sie vermögen nur noch das menschliche Machtstreben, das kleinliche Theater derer in ihr zu sehen, die mit ihrer Behauptung, das amtliche Christentum zu verwalten, dem wahren Geist des Christentums am meisten im Wege zu stehen scheinen.“

Die Kirche müsse sich fragen, ob sie nicht stärker denn je basisdemokratische Elemente zulasse und die theologische Ausbildung an der kirchlichen Praxis vor Ort ausrichte, so Lange weiter. „Der Glaube ist etwas Intimes, aber letztlich ist er das, was uns in der christlichen Welt miteinander verbindet – viel mehr als Politik und Sport.“ Er rief dazu auf, dass sich Christen einig sein müssten, um den Ausfransungen in der Gesellschaft begegnen zu können. „Sonst werden wir wirklich schwierige Zeiten haben.“

Nach Hamers‘ Einschätzung steckt die Kirche in einer „tiefen Glaubwürdigkeitskrise“. „Der Glaube ist vielen Menschen gleichgültig“, so Hamers. „Warum sind Menschen glücklich und zufrieden, ohne dass sie nach Gott fragen? Was will uns Gott damit sagen?“ Darauf habe er persönlich noch keine Antwort.

„Viele Christen schämen sich ihrer eigenen Geschichte – ohne sie zu kennen“, sagte Lütz. Das Christentum sei die einzige Religion, die durch ihre Geschichte diskreditiert werden könne. Deshalb müsse man sie kennen und sich mit ihr auseinandersetzen.

„Manche Menschen tun sich schwer, an Gott zu glauben“, sagte Leyendecker. Er sprach von „U-Boot-Christen“, die nur zweimal im Jahr auftauchten. Insbesondere junge Menschen suchten nach Werten. Es seien schwierige Zeiten. Leyendecker sieht aber in der „Kraft des Glaubens“ auch eine große Chance, Orientierung und Zuversicht zu geben.

„Gott lässt seine Welt nicht im Stich“
Als Schulleiterin gab sich Schwester Ulrike optimistisch. Sie sieht junge Menschen eher wieder offener für religiöse Angebote. „Schule ist der beste Ort, junge Menschen in eine Suchbewegung mit hineinzunehmen.“ Und: „Ich glaube, dass Gott seine Welt nicht im Stich lässt.“

Auch Liminski ist sicher, „dass am Ende Gott das letzte Wort hat“. Kirche sei für viele Menschen auch ein Gerüst, das sie halte. Jedoch warnte er davor, Kirche zu sehr mit der Politik zu verquicken. „Diskutieren sie aus pastoraler Perspektive oder wollen sie Politik machen?“, fragte er rhetorisch. Bischöfe seien keine Politiker und sollten diese Rolle auch nicht suchen, so der Staatssekretär.

Holthoff-Pförtner sprach zum Abschluss von einem „unglaublich beeindruckenden Abend“. Seiner Einschätzung nach ist es „dem Politischen Forum Ruhr und dem Initiativkreis Ruhr seit 2011 gelungen, mit der Vortragsreihe ‚Der Phönix fliegt!‘ ein viel beachtetes Format zu etablieren“. Die mittlerweile siebte Kooperationsveranstaltung in der Philharmonie Essen habe das gemeinsame gesellschaftspolitische Engagement fortgesetzt. „Wir freuen uns außerordentlich, dass es uns erneut gelungen ist, ein herausragend besetztes Podium zu gewinnen.“