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„Olympia-Bewerbung birgt eine Chance für das Ruhrgebiet“

Initiativkreis Ruhr im Interview: Evonik-Chef Christian Kullmann über Sport und Teamgeist in der Region, die Notwendigkeit einer Infrastruktur-Offensive und die Rolle der Ruhr-Konferenz.

Christian Kullmann, Vorsitzender des Vorstandes der Evonik Industries AG. (Foto: Evonik)

Die nordrhein-westfälische Landesregierung will mit einer Ruhr-Konferenz dem Ruhrgebiet neue Impulse geben. Foren zu Themen wie Energiewende und Klimaschutz, Wissenschaft und Innovationen, Zukunft der Arbeit oder neue Mobilität sollen Potenziale der Region identifizieren und Projekte vorantreiben. Moderiert werden die Themenforen zumeist von einem Kabinettsmitglied und Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Wissenschaft, Kultur, Sport und Gesellschaft. In elf von 20 Themenforen sind Vertreter von Mitgliedsunternehmen des Initiativkreises Ruhr eingebunden. Hier kommen sie dazu in loser Folge zu Wort. Diesmal im Interview: Christian Kullmann, Vorsitzender des Vorstandes der Evonik Industries AG. Gemeinsam mit Staatssekretärin Andrea Milz und dem ehemaligen Fußballprofi Christoph Metzelder moderiert er das Forum „Das Ruhrgebiet in Bewegung – wie begeistern Sportveranstaltungen die Region?“

Wo hat das Revier aus Ihrer Sicht Nachholbedarf, was muss möglichst schnell passieren?

Das Ruhrgebiet muss den Blick noch stärker nach vorn richten. Wichtig ist auch, gemeinsam vorzugehen, damit wir unsere PS besser auf die Straße bringen. Es geht ums Ganze, um die Region, nicht um einzelne Städte. Um ein Bild aus dem Sport zu benutzen: Man kann sich als Einrad-Fahrer gefallen und manches Kunststück hinbekommen. Aber wer in der Formel 1 mitfahren will, der braucht ein Fahrzeug mit mehreren Rädern und ein gutes Team. Das Ruhrgebiet kann nur gewinnen, wenn es sich als ein Team versteht und so im internationalen wirtschaftlichen Wettbewerb den Willen zum Erfolg signalisiert. Die Ruhr-Konferenz trägt dazu bei, diesen Teamgeist zu stärken, gemeinsame Projekte und Lösungen zu entwickeln.

Der Sport ist ein schönes Beispiel dafür, welche Stärken und Potenziale das Ruhrgebiet tatsächlich besitzt. Wenn es um Sport im Verein oder im Stadion geht, ist die Region bereits heute außerordentlich anerkannt - das Ruhrgebiet hat da also eher Vorbildfunktion als Nachholbedarf. Warum sollten wir also nicht jetzt mal selbstbewusst den Hut in den Ring werfen und uns um Olympische Spiele bewerben? Ich halte das für gut und ganz richtig. Das Ruhrgebiet würde damit ein positives Signal weit über die eigene Region hinaus setzen. Und: Ein solcher Bewerbungsprozess kann neue Kräfte freisetzen.

Was kann, was soll die Landesregierung tun, kann die Wirtschaft, können die Unternehmen beitragen?

Das Ruhrgebiet braucht dringend eine Infrastruktur-Offensive. Eine Olympia-Bewerbung birgt die Chance, auch Entscheidungsträger außerhalb der Region davon zu überzeugen und Dinge in Bewegung zu setzen. Auch dafür muss das Ruhrgebiet aber mit einer Stimme sprechen. Von der Ruhr-Konferenz erhoffe ich mir einen solchen gemeinsamen Impuls von Landesregierung und Unternehmen. Denn das Ruhrgebiet kämpft mit überlasteten Straßen und Brücken, maroden Schleusen und unzuverlässigen Zugverbindungen. Hier bröckeln nicht nur Steine, hier wird die Leistungsfähigkeit und die Zukunft einer ganzen Region ausgebremst.

Das Ruhrgebiet hat heute moderne Unternehmen. Es verwirklicht die Digitalisierung in der Industrie. Es ist zunehmend als Start-up-Region attraktiv. Und parallel dazu müssen wir hier Transporte beinahe wie zu Kaisers Zeiten abfertigen - mit Leuten, die am Kanalufer stehen und Haltetaue von Schiffen um Schleusenpoller wickeln, weil die ursprüngliche Technik marode und überaltert ist. Das ist doch absurd. Das Ruhrgebiet hat ein Recht auf Zukunft.

Welche Ideen möchten Sie persönlich in die Ruhr-Konferenz einbringen?

Die Ruhr-Konferenz ist eine großartige Idee der nordrhein-westfälischen Landesregierung. Die verschiedenen Foren ergänzen sich gut und steuern eine Vielfalt von Impulsen, Ideen und Projekten bei, die gemeinsam einem Ziel dienen - unserer Region, dem Ruhrgebiet, eine gute Zukunft zu erschließen. Dafür ist auch der Sport ein unverzichtbares Element: Straßen verbinden die Menschen im Ruhrgebiet - der Sport bringt sie zusammen. Er hat eine enorme gesellschaftliche Bedeutung, er stiftet Identität und gibt Heimat. Außerdem fördert Sport die Gesundheit und hilft dabei, Menschen zu integrieren.

Die Vision von Olympischen und Paralympischen Spielen 2032 in der Region Rhein-Ruhr fasziniert bereits viele Menschen. Wir können durch die Olympischen Spiele Lebensqualität, Wachstum und internationale Wahrnehmung des Ruhrgebiets voranbringen. Ich sehe Sport und Infrastruktur dabei als zwei miteinander verbundene Themen. Für beide will ich mich einsetzen.

Bisher im Interview in dieser Reihe: