TalentAward Ruhr 2016: Preisträgerin Anja Höhle


29. September 2016

Für Chemie begeistern und Sprache fördern – MINTuS
Anja Höhle erhielt den TalentAward Ruhr 2016 für die Talentförderung im MINT-Bereich am Kinder- und Jugendtechnologiezentrum Dortmund KITZ.do (Foto: Initiativkreis Ruhr).

Da ist zum Beispiel Kevin, 15. Er besucht die 9. Klasse einer Hauptschule in Dortmund. Chemie steht dort nicht auf dem Stundenplan. Wegen Lehrermangels. Kevin aber kann sich vorstellen, dass ihm Chemie Spaß macht – auch wenn da, wie er sagt, „Fachwörter drin sind, die man auch erst mal lernen muss“. Und das fällt dem Jugendlichen mit Migrationshintergrund noch schwer.

Doch genau da unterstützt Anja Höhle, 32, tatkräftig. Die diplomierte Chemieingenieurin setzt sich am Kinder- und Jugendtechnologiezentrum Dortmund KITZ.do für die Talentförderung im MINT-Bereich ein. Also wenn es um Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik geht. Das sind Fächer, die in den Schulen häufig zu kurz kommen. Auf der anderen Seite bieten sie vielfältige berufliche Chancen. „Deshalb gibt es zwar viele Förderprojekte, die Kindern und Jugendlichen den Zugang zu den MINT-Fächern erleichtern sollen. Aber keines, das gleichzeitig auch die Sprachbildung fördert. Aus diesem Grund haben wir MINTuS ins Leben gerufen“, erläutert Höhle, Fachbetreuerin für Chemie.

Los ging es 2013 als Pilotprojekt. Schülerinnen und Schüler der 8. und 9. Klassen von fünf Dortmunder Haupt-, Real- und Gesamtschulen, die aus sozial benachteiligten Familien stammen und/oder einen Migrationshintergrund haben, wurden eingeladen, in den Laboren und Werkstätten des KITZ.do zu forschen und gleichzeitig ihre sprachlichen Fähigkeiten zu verbessern. In Kleingruppen und unter fachlicher Anleitung. „Wir mussten keine großartige Werbung betreiben. Es meldeten sich gleich viele Jugendliche“, erzählt Höhle. Seitdem tauchen interessierte Schülerinnen und Schüler an einem Nachmittag in der Woche für drei Stunden in eine ihnen bis dahin unbekannte Welt ein. Für die an Chemie Interessierten heißt das: Schutzbrille auf, rein in den weißen Kittel und ab ins Labor! In eine Welt voller Reagenzgläser, Versuchsanordnungen und fremder Gerüche. Und dann geht es, nach einer kleinen Einweisung, gleich los. Mit Versuchen, Experimenten und Aufgaben, die Höhle vorgibt. „Mir ist wichtig, keine konkreten Anleitungen zu geben, sondern kleine Projektaufträge. So kommen die Jugendlichen ins Gespräch und diskutieren, wie die Lösung aussehen könnte“, betont die Fachbetreuerin.

Zu kommunizieren, neue Wörter und Fachbegriffe zu lernen und diese allmählich auch in den eigenen Sprachgebrauch zu übernehmen – das ist die Idee von MINTuS. Einerseits. Andererseits geht es darum, die Tür zu den in den Schulen häufig vernachlässigten Naturwissenschaften aufzustoßen und berufliche Alternativen aufzuzeigen. Etwa durch die Kontaktaufnahme zu einem der Unternehmen aus der Region, die das Projekt unterstützen.

Seit 2015 gehört MINTuS zum Regelangebot des KITZ.do. In jedem Jahr erhalten etwa 100 Jugendliche Gelegenheit, ihre Talente im MINT-Bereich zu entdecken und ihre Stärken auszubauen. Die Nachfrage ist groß. Es hat sich herumgesprochen, dass MINTuS Spaß macht und man, ganz nebenbei, eine Menge lernt. Fachlich und persönlich. Und das ohne stures Pauken.

Höhle, geboren in Sachsen, hat an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Dresden studiert. Sie hatte weder in der Schule noch in der Familie einen Mentor, der ihr den Zugang zu Naturwissenschaften geebnet hat. „Mich hat Chemie schon als Kind interessiert. Ich wollte wissen, was dahinter steckt, und hatte Spaß an Experimenten“, erzählt sie. Diese Begeisterung möchte sie gerne an Dortmunder Talente weitergeben. Vor allem ist es ihr ein Anliegen, dass Jugendliche mehr über „Nachhaltigkeit“ nachdenken. Dafür lässt sie die Schülerinnen und Schüler auch schon einmal sehr praxisorientiert experimentieren. Zum Beispiel, indem sie die Jugendlichen ermuntert, aus Kaffeesatz Biodiesel herzustellen. 

Ein aktuelles Foto der Preisträgerin finden Sie hier.

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