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3. Wissensgipfel Ruhr stand im Zeichen der Talentförderung

Dirk Opalka, Geschäftsführer des Initiativkreises Ruhr, bei seiner Begrüßungsrede. (Foto: IHK/Wiciok)

  • Resolution mit drei Kernzielen überreicht
  • Studie belegt: Wissenschaft rechnet sich
  • Gezielte Suche nach Förderung notwendig

Unter dem Motto „Wir bilden Zukunft" hat sich der 3. Wissensgipfel Ruhr am Montag, 14. September, mit der Fachkräftesicherung in der Metropole Ruhr beschäftigt. Der Wissensgipfel war zugleich Auftakt der TalentTage Ruhr 2015, die der Initiativkreis Ruhr und seine Bildungsinitiative TalentMetropole Ruhr veranstalten. Bis zum 22. September zeigen mehr als 50 Projekte, Hochschulen, Unternehmen, Kammern und Kommunen aus der gesamten Region, wie Nachwuchsförderung dank gezielter Bildungsangebote gelingen kann.

Rund 300 Experten aus Wirtschaft und Wissenschaft diskutierten beim Wissensgipfel in der Essener Philharmonie über die Chancen eines praxisnahen Studiums und neue Kooperationsformen zwischen Wirtschaft und Hochschulen. In einer bislang einmaligen Kooperation verständigten sich die Akteure aus der Metropole Ruhr darauf, die Wissenschaftsregion Ruhr gemeinsam stärker zu profilieren. Ihre Strategie ist in der „Resolution Wissenschaftsregion Ruhr“ zusammengefasst. Zu den Unterzeichnern gehören neben dem Initiativkreis Ruhr eine große Zahl von Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen, der Regionalverband Ruhr (RVR), die Industrie- und Handelskammern des Ruhrgebiets (Ruhr-IHK) und die Wirtschaftsförderung metropoleruhr (wmr). Die Partner überreichten die Resolution an NRW-Wissenschaftsministerin Svenja Schulze.

Talentreserven heben, Forschungseinrichtungen stärken
Die Unterzeichner der Resolution setzen sich für drei Kernziele ein:

1.) Die Talentreserven sollen gehoben, die Zahl der Studienabbrecher gesenkt und die Erfolgsquote bei den Absolventen in den nächsten Jahren erhöht werden.

2.) Die bestehenden außeruniversitären Forschungseinrichtungen sollen gestärkt, weitere Forschungseinrichtungen insbesondere der großen Forschungsgemeinschaften für die Metropole Ruhr gewonnen werden.

3.) Die Region braucht mehr Unternehmens-Neugründungen aus anwendungsorientierter Forschung. Um diese Ziele zu erreichen, schlagen die Unterzeichner der Resolution unter anderem vor, die Betreuungsrelation an den Hochschulen – also das Verhältnis von wissenschaftlichem Personal zu den Studierenden – deutlich zu verbessern.

„Das Ruhrgebiet hat sich inzwischen stark verändert“, sagte Dirk Opalka, Geschäftsführer des Initiativkreises Ruhr in seiner Eröffnungsrede. „Heute ist es eine der wichtigsten Wissensregionen Deutschlands und Europas. Anfang der 1970er-Jahre waren im Steinkohlenbergbau mehr als 250.000 Menschen beschäftigt, und an den NRW-Hochschulen im Ruhrgebiet gab es gerade einmal 20.000 eingeschriebene Studierende. Heute ist das Verhältnis umgekehrt: Im Steinkohlenbergbau sind jetzt in ganz Deutschland noch rund 10.000 Menschen beschäftigt und an den Hochschulen im Ruhrgebiet gibt es mehr als 260.000 Studierende. Keine einzige Region in Deutschland ist als Quelle für akademisches Wissen in so kurzer Zeit so stark nach vorne gekommen.“ Um die Region weiterhin gut für die Zukunft aufzustellen, sei aber eine gezielte Suche und Förderung derjenigen notwendig, die nicht über herkömmliche Bildungszugänge den Weg ins Studium oder in den Beruf finden. „Die Initiative TalentMetropole Ruhr mobilisiert die Talentreserven unserer Region. Sie macht jungen Menschen ganz konkrete Angebote“, so Opalka. 

25.000 Beschäftigte in der Wissenschaft
Der RVR und weitere Partner gaben im Vorfeld der Veranstaltung eine Studie beim Institut für angewandte Innovationsforschung in Auftrag. Die Untersuchung zeigt, dass Wissenschaft sich auch ökonomisch für die Region rechnet. Demnach haben die Hochschulen und außeruniversitären Forschungsinstitute der Metropole Ruhr 2013 knapp 2,5 Milliarden Euro Umsätze ausgelöst. Mit fast 25.000 direkt Beschäftigten ist die Wissenschaft zudem einer der größten Arbeitgeber im Ballungsraum. Um den akademischen Fachkräftebedarf der regionalen Wirtschaft in den nächsten Jahren zu befriedigen, ist es jedoch wichtig, die Absolventen nach ihrem Studium in der Metropole Ruhr auch in der Region zu halten – ob als Selbstständige oder als Arbeitnehmer.

Wichtig für die Unternehmen, die Hochschulabsolventen anstellen, bleibt, dass die Akademiker eine praxisnahe Ausbildung an den Universitäten und Fachhochschulen erhalten. Nicht nur mit dem dualen Studium ist das gewährleistet – mittlerweile stellen immer mehr Hochschulen ihre Lehrformate auf die Bedarfe der Unternehmen ein. „Die gerne kolportierte Vermutung, dass die Absolventen der Ruhrgebietshochschulen die Region in Scharen verlassen, kann kaum gehalten werden“, kommentierte Prof. Dr. Bernd Kriegesmann, Leiter des Instituts für angewandte Innovationsforschung an der Ruhr-Universität Bochum, die Ergebnisse seiner aktuellen Untersuchung.

In einigen Teilen der Metropole Ruhr gibt es in Bezug auf außeruniversitäre Forschungseinrichtungen der großen deutschen Forschungseinrichtungen zudem weiße Flecken auf der Landkarte. Gerade derartige Forschungseinrichtungen erhöhen aber das wissenschaftliche Renommee einer Region – und damit deren Attraktivität für Studierende und Wissenschaftler. „Hochschulen und Forschungseinrichtungen sind wichtige Taktgeber für den Wandel in der Metropole Ruhr. Sie sind jung, innovativ und werben viele Drittmittel ein, die wieder in der Region investiert werden. Weitere Innovationen und der kontinuierliche Transfer zwischen Wirtschaft und Wissenschaft stärken die außeruniversitäre Forschung nachhaltig. Wir setzen uns daher gemeinsam mit den Partnern aus Wirtschaft, Wissenschaft und Forschung für den Ausbau bestehender und die Ansiedlung weiterer außeruniversitärer Forschungseinrichtungen ein“, bekräftigte Karola Geiß-Netthöfel, Regionaldirektorin des RVR.

Engagement für mehr Firmengründungen
Weit unter den Möglichkeiten bewegt sich die Zahl der Start-ups aus den Hochschulen. Deshalb wollen die Partner Anreize schaffen, um Studierenden, Absolventen, aber auch aktiven Hochschul-Wissenschaftlern die unternehmerische Selbstständigkeit als attraktive und realistische Perspektive zur sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung zu vermitteln. „Wir brauchen im Ruhrgebiet mehr wissensbasierte Gründungen. Diese können für die Region ein enormes Potenzial entfalten. Sie sind Keimzelle unseres starken Mittelstandes und geben Impulse für Wettbewerb, Innovation und Strukturwandel. Im Studium muss es daher stärker als bisher gelingen, dieses Gründer-Gen zu pflanzen und daraus kräftige Unternehmen wachsen zu lassen. In den Hochschulen steckt so viel Potenzial für innovatives Unternehmertum – wir müssen es heben“, betonte Jutta Kruft-Lohrengel, Präsidentin der IHK zu Essen. Die Resolution regt in diesem Zusammenhang an, ein Förderprogramm des Landes NRW „Wissenschafts-Start-up Ruhr“ aufzulegen.

Der Initiativkreis Ruhr macht sich bereits im Zuge der Initiative „Gründerland NRW“ gemeinsam mit dem NRW-Wirtschaftsministerium stark für mehr innovative Unternehmensgründungen. So veranstaltet er am 5. November 2015 an der TU Dortmund das zweite Gründer-Forum NRW.

Weitere Informationen zum Gründer-Forum NRW finden Sie hier.

Die Resolution Wissenschaftsregion Ruhr finden Sie hier.

Die gesamte Studie „Wissenschaftsregion Ruhr“ finden sie hier.