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8. Verkehrsfachtagung Ruhr – Pkw vor Bus und Bahn

Sprachen über die Mobilität der Zukunft (v.l.): Rasmus C. Beck, Vorsitzender der wmr-Geschäftsführung, NRW-Verkehrsminister Michael Groschek, Jutta Kruft-Lohrengel, Präsidentin der IHK zu Essen, Dirk Opalka, Geschäftsführer Initiativkreis Ruhr GmbH und Andreas Kerber BOGESTRA-Vorstandsmitglied. (Foto: wmr)

  • Pkw sind Verkehrsmittel Nummer 1 beim Einkauf
  • Busse und Bahnen punkten bei jüngeren Menschen
  • Shoppingtickets als Anreiz für den öffentlichen Nahverkehr

Und das nicht nur zur Weihnachtszeit: Beim Einkaufen ist das Auto für eine überwiegende Mehrheit der Menschen im Ruhrgebiet das Verkehrsmittel der Wahl. Hier steigen fast zwei Drittel (65%) der Verbraucher am häufigsten in den Pkw, wenn sie in die Innenstadt oder in ein Einkaufszentrum fahren. Nur jeder Fünfte (21%) nutzt dazu den öffentlichen Nahverkehr. Das geht aus einer repräsentativen Forsa-Studie für den Initiativkreis Ruhr (IR) hervor, die Industrie- und Handelskammern im Ruhrgebiet, Wirtschaftsförderung metropoleruhr (wmr) und IR anlässlich der 8. Verkehrsfachtagung „Mobilität Ruhr“ am heutigen Montag, 7. Dezember, im BOGESTRA Betriebshof Engelsburg in Bochum vorgelegt haben. Dabei stellten die Veranstalter aber auch fest: Busse und Bahnen haben durchaus großes Potenzial, dem Auto auf dem Weg in die Innenstädte Paroli zu bieten.

Expertendiskussionen in drei Fachforen
Unter dem Motto „Ideen und Projekte, die verbinden“ diskutierten mehr als 200 Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und öffentlicher Verwaltung aus dem Ruhrgebiet in drei Fachforen über die innerstädtischen Verkehre. Diese stellen gerade für den Ballungsraum Ruhr eine erhebliche Herausforderung dar. Im Mittelpunkt standen unter anderem die Fragen „Wie entwickeln sich in den Zentren die Verkehre gerade vor dem Hintergrund der Digitalisierung und des wachsenden Onlinehandels?“, „Welchen Beitrag kann der ÖPNV im Ballungsraum leisten?“ und „Kaufen die Kunden künftig nur noch von der Couch aus ein und fahren nicht mehr in die Innenstädte?“

Insbesondere die letzte Frage konnte Jutta Kruft-Lohrengel, Präsidentin der IHK zu Essen, mit einem klaren „Nein“ beantworten. Sie glaubt nicht, dass der Onlinehandel den stationären Handel ersetzen wird: „Die Digitalisierung hat Vieles verändert in den letzten Jahren. Auch die Art, wie wir einkaufen. Wir sehen aber nicht, dass die Lust am persönlichen Einkaufserlebnis verloren gegangen ist. Dazu gehört auch, dass sich die Innenstädte attraktiv präsentieren und ihre Erreichbarkeit mit allen Verkehrsmitteln sichergestellt bleibt. Die Zentren des Ruhrgebiets bleiben also ein Ziel für den Verkehr.“

Einkäufe werden schon heute oft geliefert
Vor Ort entspannt einkaufen, die Waren aber nach Hause liefern lassen – von diesem Konzept könnte künftig auch der Nahverkehr profitieren: 42 Prozent der Bürger im Ruhrgebiet können sich vorstellen, ihre Einkäufe nach Hause geliefert zu bekommen, oder tun es bereits. Mehr als drei Viertel (78%) von ihnen sind auch bereit, für diesen Service zu zahlen. Forsa hatte für die aktuelle Umfrage zum „RuhrMeter“ rund 1.000 Bürger ab 18 Jahren im Ruhrgebiet befragt.

Individual- und möglicherweise zunehmende Lieferverkehre blieben auch in Zukunft ein drängendes Thema für die Innenstädte, sagte IHK-Präsidentin Kruft-Lohrengel. Gefragt sei hierbei auch die Unterstützung der Politik.

Carsharing als schonende Alternative für die Umwelt
Michael Groschek, NRW-Verkehrsminister: „Mit attraktiven Angeboten und einer besseren Vernetzung verschiedener Verkehrsmittel können wir Verhaltensänderungen anstoßen und den einen oder anderen Stau künftig vermeiden. Lösungen, mit denen sich Bus und Bahn, Fahrrad, Wege zu Fuß, Carsharing und Fahrgemeinschaften kombinieren lassen, sparen Platz, sind schonender für die Umwelt und nicht zuletzt kostengünstiger für Kommunen und Nutzer. Auch Kurier- und Paketdienste, die ihre Waren mit dem Elektrofahrrad ausliefern, werden in manchen Städten schon heute ganz selbstverständlich auf der letzten Meile zum Kunden eingesetzt.“

Rasmus C. Beck, Vorsitzender der wmr-Geschäftsführung, betonte, dass die Verkehrsinfrastruktur bei Investoren ein großer Pluspunkt für die Ansiedlung in der Metropole Ruhr ist: „Wir sind Logistikstandort Nr. 1 in Deutschland. In der Branche arbeiten rund 100.000 Menschen – Tendenz steigend. Die Unternehmen und Forschungsinstitute sind Innovationstreiber, zum Beispiel beim Thema City-Logistik. Mit diesen Voraussetzungen kann die Metropole Ruhr im Rahmen der zunehmenden Digitalisierung zum Modell für andere Metropoleregionen werden. Dafür benötigen wir allerdings den Ausbau und Erhalt der Infrastruktur und eine bessere Verknüpfung der Verkehrsträger Straße, Schiene und Wasser.“ 

Verkehrsträger stärker miteinander versöhnen
IR-Geschäftsführer Dirk Opalka sieht allen kommunalen Sparzwängen zum Trotz wachsende Chancen für die städtischen Nahverkehrsunternehmen der Region: „Noch nutzt nur jeder Zehnte den ÖPNV im Ruhrgebiet so gut wie täglich. Doch seine Akzeptanz unter jungen Menschen ist schon deutlich größer als in der Gesamtheit der Bevölkerung. Von den 18- bis 29-Jährigen nutzen bereits 36 Prozent den öffentlichen Nahverkehr im Ruhrgebiet praktisch jeden Tag. Unsere Studie legt also nahe, dass auf Dauer eine Trendwende folgen könnte.“ Aktuell gelte es, alle Verkehrsträger stärker miteinander zu versöhnen. „Dafür gibt es intelligente, digital gesteuerte Verkehrsleitsysteme“, sagte Opalka. „Die Industrie gerade in der Region bietet Know-how, Lösungen, Werkstoffe und Produkte für den Verkehr der Zukunft an. Der örtliche Handel und die Nahverkehrsunternehmen könnten zudem stärkere Anreize für einen Umstieg vom Pkw auf Busse und Bahnen schaffen, zum Beispiel durch Shoppingtickets. Jeder Zweite im Ruhrgebiet würde den ÖPNV häufiger nutzen, wenn die Fahrpreise günstiger wären.