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Diskussionen über Wachstum und Gründergeist

Dr. Klaus Engel: „Wir müssen die Menschen in NRW für unternehmerisches Denken und Handeln sensibilisieren“

Private Universität Witten/Herdecke

Experten aus Wirtschaft und Wissenschaft diskutierten am 21. Oktober 2014 in kleiner Runde zwei Themen, deren Auswirkungen auf die Zukunft unseres Landes weitreichend sein werden: Um „Wachstum als Basis“ und „Zeit für mehr Gründergeist“ ging es in der Gesprächsrunde, zu der das Landeskuratorium NRW im Stifterverband für die deutsche Wissenschaft und der Initiativkreis Ruhr in die Universität Witten/Herdecke eingeladen hatten. Eine Ortswahl mit Bedacht. Schließlich erkämpfte sich die mittlerweile 2000 Studierende zählende Privatuni beim Gründungsradar des Stifterverbandes in der Kategorie „Kleine Hochschulen“ einen hervorragenden dritten Platz. Damit hatte sie im vergangenen Jahr die beste Platzierung aller nordrhein-westfälischen Hochschulen in diesem Ranking. Und: Seit April gibt es an der Wittener Hochschule das „Entrepreneurship Zentrum Witten“, in dem junge Firmengründer mit Hilfe von Wirtschaft und Wissenschaft ihren Weg machen sollen.

„Wachstum schafft Gründergeist – und ohne Gründergeist gibt es kein Wachstum.“ Mit diesem Kernsatz eröffnete Dr. Klaus Engel, Vorsitzender des Landeskuratoriums Nordrhein-Westfalen im Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft und Vorstandsvorsitzender der Evonik Industries AG, den Diskussionsabend. Dr. Engel stellte einleitend fest, dass NRW aktuell bei Firmengründungen hinter dem Rest Deutschlands liege. Dabei habe das Land großes Potenzial für Innovationen und Wachstum, was offenbar aber noch nicht richtig genutzt werde. Aufgabe sei es nun, die Menschen hierzulande für unternehmerisches Denken und Handeln zu sensibilisieren. Alle Akteure der Gesellschaft seien gefragt: Politik und Wirtschaft, aber auch die Schulen und Hochschulen hätten hierbei einen wichtigen Beitrag zu leisten, so Dr. Engel weiter.

Einen ersten Impuls und Blick in die Zukunft gab Prof. Dr. Birger Priddat. Der Ökonom und Dekan der Fakultät für Wirtschaftswissenschaft der UW/H sieht in dem exorbitanten Wachsen der Internet-Wirtschaft und der noch stärkeren Vernetzung von Internet und Industrie den nächsten großen Zyklus. Nicht nur im Handel komme es schon heute zu enormen Veränderungen (die Geschäfte werden mehr und mehr zu Showrooms, gekauft wird schließlich im Internet), sondern auch in der Produktion würden sich durch Computerisierung und Automatisierung gravierende Veränderungen ergeben: „Die Produktivität erhöht sich in einem solchen Tempo, dass die Beschäftigung nicht mithalten kann. Auf dem Spiel stehen Arbeitsplätze. Die Dimensionen und Folgen dieser Entwicklung sind noch gar nicht absehbar“, so Priddat weiter. Die Frage, wer die Verfügungsrechte über die Netzwerkstruktur besitze, werde auch für den Wirtschaftsstandort Deutschland immer dringender.

Prof. Dr. Reinhard Loske, Professor für Politik, Nachhaltigkeit und Transformationsdynamik an der UW/H, ging in seinem Impulsstatement den Möglichkeiten und Grenzen der Entkopplung von Wachstum und Umweltverbrauch nach. Auch er stellte fest: „Wir leben im Zeitalter des sich beschleunigenden Wachstums und des zunehmenden Ressourcenverbrauchs.“ Dem müsse mit verschiedenen Maßnahmen gegengesteuert werden. Das viel beschworene „Grüne Wachstum“ allein sei jedoch nicht hinreichend, zumal durch die so genannten Rebound-Effekte die durch technologische Innovationen erzielten Effizienzgewinne in der Regel durch Mehrkonsum wieder zerstört werden würden. Flankierend gelte es folglich auch, einen kulturellen Wandel herbeizuführen.

Außerdem sprachen Prof. Dr. Rudolf Wimmer, Vizepräsident der UW/H, zum Thema „Universitäten als Biotop für unternehmerische Initiativen – Wunschbild und Realität“ sowie UW/H-Alumnus Ulf Kunze zum Thema „Studierende als Entrepreneure: the crazy ones?“

UW/H-Präsident Prof. Dr. Martin Butzlaff schloss den lebendigen Diskussionsabend mit den Worten: „Wir in Witten sind dran an diesen Themen.“