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Dr. Hans-Jürgen Badziong

Lernen außerhalb von Klassenräumen – Persönlichkeitsentwicklung an Schulen

Dr. Hans-Jürgen Badziong, Berufskolleg Gladbeck

Wer sich mit klassischer Musik beschäftigt, lernt ganz nebenbei eine Menge über sich selbst. Das ist die Überzeugung von Hans-Jürgen Badziong, Lehrer am Berufskolleg Gladbeck und selbst ein großer Fan klassischer Musik. „Deshalb lag es nahe, dieses vermeintlich verstaubte Kulturgut zu nutzen, um Schülern zu helfen, ihre Talente zu entdecken“, sagt Badziong. Abseits des Klassenraums und außerhalb der Schulzeit sollte das passieren. Seine Idee: Klassische Musik für junge Menschen in einem neuen Kontext erfahr- und erlebbar zu machen – als Organisatoren eines Konzerts der Extraklasse im Foyer der eigenen Schule.

Bis die Debütveranstaltung im September 2012 über die Bühne ging, hatten die Schüler und Schülerinnen der Oberstufe am Berufskolleg eine Menge zu tun. Zunächst musste ein Programm entwickelt werden – dabei nutzte Hans-Jürgen Badziong seine privaten Kontakte zu Veranstaltern und Künstlern. Es galt, Sponsoren zu gewinnen, Plakate zu entwerfen und zu drucken. Auch versicherungsrechtliche Fragen mussten geklärt werden. „Um diese Aufgaben zu lösen, waren die verschiedensten Talente nötig“, betont Badziong. Dabei habe mancher Projektteilnehmer erkannt, was er kann und was ihm weniger liegt. Unterstützung lieferten auch Schüler und Schülerinnen anderer Bildungsgänge. So kümmerten sich angehende Veranstaltungstechniker um die Ausleuchtung und Beschallung des Veranstaltungsorts sowie den Auf- und Abbau der Bühne. Und Hauswirtschaftler versorgten die Konzertbesucher mit kulinarischen Köstlichkeiten. „Für 200 Minuten Klanggenuss war monatelange Arbeit notwendig. Das hatten die wenigsten Schüler und Schülerinnen vorher bedacht“, sagt Badziong. Verlässlichkeit, Einsatzfreunde und Selbstdisziplin waren die Tugenden, die auf dem Weg dorthin besonders gefragt waren. Anfangs traf man sich alle 14 Tage einmal nachmittags. Aber je näher es auf das Event zuging, umso mehr Einsatz war notwendig. In den drei Wochen vor dem Konzert kamen die Schüler und Schülerinnen viermal in der Woche zusammen – so viel Arbeit war zu erledigen.

Nicht alle haben bis zum Schluss durchgehalten. Aber Badziong ist überzeugt, dass auch Projektteilnehmer, die vorzeitig ausgestiegen sind, profitiert haben: „Seine Grenzen zu erkennen und Nein zu sagen, wenn man sich überfordert fühlt – auch das sind Erfahrungen, die später in der Ausbildung und im Beruf wichtig sind.“

Hans-Jürgen Badziong unterrichtet seit 34 Jahren Biologie, Mathematik und Deutsch. Um den Schülern und Schülerinnen die Unterrichtsinhalte und das Lernen näher zu bringen, ist ihm der Klassenraum oft zu klein. Viel lieber holt er sie mit ihren verschiedenen Talenten aus der Schule heraus und gestaltet mit ihnen verschiedene Themen. Die Foyerkonzerte, die 2014 zum dritten Mal stattgefunden haben, sind ihm eine Herzensangelegenheit. Badziong ist Entdecker und Förderer von Schülern und ihren Talenten. Es hat sich herumgesprochen, wie viel Spaß, Genugtuung und Anerkennung es bringt, sich bei der Konzertorganisation zu engagieren. Am liebsten würde sich Hans-Jürgen Badziong Stück für Stück zurückziehen: „Wenn ich eines Tages überflüssig bin, habe ich mein Ziel erreicht.“

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