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Interview – „Dieser Preis öffnet Türen“

Sabiha Centinkaya über ihre Auszeichnung mit dem TalentAward Ruhr 2015 – „eine tolle Motivation“

Talent Gizem Karagülmez (links) und Preisträgerin Sabiha Cetinkaya bei der Verleihung des TalentAward Ruhr 2015 (Foto: IR).

Sabiha Cetinkaya engagiert sich dafür, dass mehr Kinder aus hochschulfernen Familien einen höheren Bildungsabschluss erreichen. Als Projektleiterin „Bildung“ bei der Türkisch-Deutschen Studierenden und Akademiker Plattform (TD-Plattform) führt sie mit weiteren ehrenamtlichen Mentoren Schüler im Ruhrgebiet an ein Studium heran. Das Projekt heißt: „Wer will, der kann – Isteyen Yapar!“ Sabiha Cetinkaya war die Erste in ihrer Familie, die eine akademische Ausbildung angestrebt hat. Ihre eigene Bildungskarriere macht es der 43-Jährigen, im Hauptberuf diplomierte Kauffrau und Arbeitsvermittlerin im Jobcenter Dortmund, deshalb leicht, Zugang zu jungen Menschen und deren Eltern zu finden. Im Interview gibt Sabiha Cetinkaya Einblicke in ihre Motivation, beschreibt Ziele und nennt Gründe zu besonderer Freude.

Frau Cetinkaya, was bedeutet Ihnen die Auszeichnung mit dem TalentAward Ruhr 2015?
„Der Preis ist eine phänomenale Auszeichnung für die Arbeit, die meine Kollegen und ich täglich ehrenamtlich leisten. Eine solche Wertschätzung von einer Experten-Jury zu erhalten ist eine tolle Motivation. Der Gewinn des TalentAward Ruhr hat mir gezeigt, dass ich stolz auf mich und mein Engagement sein kann.“

Was hat sich für Sie mit dem TalentAward Ruhr verändert?
„Die Menschen gehen anders auf mich zu. Sie stellen Fragen, nehmen mein ehrenamtliches Engagement ernst. Das tut gut. Außerdem werden meine Kollegen und ich bei der Türkisch-Deutschen Studierenden und Akademiker Plattform verstärkt von Schulen, Firmen und anderen Institutionen angefragt. Wir sind im Bildungsbereich gleichberechtigte Partner auf Augenhöhe geworden. Unsere Workshops sind begehrt, unser Team ist größer geworden. Deshalb wollen wir künftig bereits Achtklässler an Realschulen über ihren weiteren Bildungsweg informieren. Dieser Schritt wäre ohne die Auszeichnung erst einmal nicht möglich gewesen.“

Wie haben Sie das Preisgeld von 5.000 Euro investiert?
„Vor dem Gewinn des TalentAward Ruhr haben wir unsere eigenen Workshops in einem kleinen Büro durchgeführt. Jetzt können wir Räume vor Ort mieten, damit die Jugendlichen weniger Fahrkosten haben. Außerdem haben wir Mappen für die Schüler erstellt, die sie auf ihrem Bildungsweg begleiten sollen. Sie enthalten zum Beispiel Informationen zu Hochschulen aus der Region, Stipendien-Programmen, Bafög-Anträgen und Bewerbungsfristen.“

Worauf dürfen sich künftige Preisträger freuen?
„Auf eine Auszeichnung, die ihre Arbeit wertschätzt und Türen öffnet. Wir haben durch den TalentAward Ruhr viele Unterstützter gewonnen, mit deren Hilfe wir Projekte schneller und effektiver realisieren können. Die Auszeichnung ist ein Gewinn für die Preisträger, die Menschen, die sie fördern, und das Ruhrgebiet. Besser geht es nicht.“

Wie wichtig sind Talentförderer für das Ruhrgebiet?
„Sie haben maßgeblichen Anteil daran, dass sich das Image des Ruhrgebiets wandelt – weg von der Malocher-Region hin zur wichtigsten Wissensregion Deutschlands. Die Talentförderer in der Metropole Ruhr richten den Blick auf verborgene Potenziale und das Prinzip der Chancengleichheit. Sie zeigen, dass Bildung keine Einbahnstraße ist. Dass man Ängste abbauen und Träume wahr werden lassen kann. Sie machen den jungen Menschen in der Region Mut.“

Ist das auch die Motivation für Ihr Engagement: Jugendlichen Mut zu machen?
„Mein Ehrenamt bei der TD-Plattform ist fast eine Teilzeitbeschäftigung. Doch jede Minute, die ich mit den Jugendlichen verbringe, ist ein Gewinn. Erst kürzlich habe ich einen jungen Mann betreut. Sein Ziel ist es, mit 30 Jahren eine eigene Firma zu haben. Das hat ihm zunächst kaum jemand zugetraut. Ihm hilft nun ein Unternehmensberater bei der Umsetzung seines Plans. Und der junge Mann entwickelt sich prächtig, das Ziel Selbstständigkeit rückt näher, und seine Eltern sind mächtig stolz auf ihren Sohn. Diesen Prozess mitzubekommen, ein Teil davon zu sein, ist einfach nur großartig. Deshalb liebe ich diese Aufgabe – genauso wie ich auch das Ruhrgebiet und seine Menschen liebe.“