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Kurs Logo 15

„Wir werden Deutschsprecher“ – sprachliche Förderung junger Zuwanderer

Angehende Logopädinnen des Kurs Logo 15, maxQ. Schule für Logopädie.

Den Anstoß gab eine Dokumentation im Fernsehen über junge Migranten in Dortmund. Über Kinder aus Rumänien und Bulgarien, die ohne Kenntnisse der deutschen Sprache auf eine Grundschule geschickt wurden. „Da haben meine Mitschülerinnen in der maxQ. Schule für Logopädie und ich uns gefragt: Wie kann das gut gehen? Wie kommen diese Kinder klar?“, erzählt Claudia Strack, 22. Die elf Auszubildenden sprachen darüber mit ihren Lehrlogopädinnen und stellten fest: Junge Zuwanderer ohne deutsche Sprachkenntnisse erhalten nicht genug Unterstützung und scheitern deshalb häufig schon sehr früh in der Schule. Strack und weitere angehende Logopädinnen wollten betroffene Kinder stärken und starteten im vergangenen Jahr unter Anleitung das Projekt „Wir werden Deutschsprecher“.

Die Idee: Kinder aus Zuwanderer-Familien sprachtherapeutisch zu begleiten. „Dabei geht es nicht nur darum, den Schülern Deutsch beizubringen. Wir möchten sie auch anleiten, eigenständig eine neue Sprache zu entdecken – so natürlich, wie Kinder üblicherweise auch ihre Muttersprache lernen“, sagt Claudia Strack. Im Zuge ihrer praktischen Ausbildung förderten die angehenden Logopädinnen an zwei Dortmunder Grundschulen 25 Kinder aus südeuropäischen Ländern. Sechs Monate lang trafen sie sich einmal in der Woche mit dem Ziel, aus den jungen Zuwanderern Deutschsprecher zu machen.

Die ersten Wochen waren beschwerlich. Die Kinder im Alter von sechs bis zehn Jahren sprachen teilweise nicht ein einziges Wort Deutsch. Zudem machte die fremde Umgebung viele von ihnen aggressiv. Die angehenden Logopäden ließen sich nicht entmutigen, verständigten sich mit „Händen und Füßen“, setzten Regeln für das Miteinander und arbeiteten viel mit Plakaten. Darauf malten sie die Begriffe, die sie den Schülern vermitteln wollten. Als die Kinder jedoch nicht aufhörten, in ihrer Muttersprache zu reden, hatten Claudia Strack und ihre Mitstreiterinnen eine Idee: Für jede Unterrichtsstunde, in der die jungen Zuwanderer nicht rumänisch oder bulgarisch sprachen, erhielten sie in ein kleines Heftchen einen Stempel. „Wer zehn Stempel beisammen hatte, bekam eine Überraschung. Das hat die meisten Schüler angespornt“, erzählt Strack. Sie hätten rasch Fortschritte gemacht – und das trotz fehlender Unterstützung von zu Hause, wo meist ausschließlich die Mutersprache gesprochen wurde. Welche Kinder besonders förderbedürftig waren und an dem Projekt mitmachen durften, entschieden Lehrkräfte und Leitung der beiden Grundschulen. Nach sechs Monaten Betreuung, am Ende des Kurses, konnten sich viele Migrantenkinder auf Deutsch verständigen, von ihren Erlebnissen erzählen und berichten, was sie in den Ferien gemacht haben.

„Wir werden Deutschsprecher“ wird weitergehen – auch wenn Claudia Strack und die übrigen Logopädie-Auszubildenden ihre Ausbildung in diesem Sommer mit anderen inhaltlichen Schwerpunkten fortsetzen. Der nächste Kurs der maxQ. Schule für Logopädie wird das Integrations- und Förderprojekt übernehmen. Das Wissen und die Erfahrungen gehen somit nicht verloren, sondern werden systematisch weitergegeben. Die Initiative der jungen Logopäden stößt auf große Resonanz. Weitere Dortmunder Schulen möchten sich an der Initiative beteiligen.

Den TalentAward Ruhr 2015 erhält der Kurs Logo 15 der maxQ. Schule. Die TalentMetropole Ruhr, unter deren Dach der Initiativkreis Ruhr seine Bildungsaktivitäten bündelt, hat diesen Sonderpreis für eine Gruppe erstmalig ausgerufen. Kriterium für die Auswahl war die gruppenübergreifende, ehrenamtliche Zusammenarbeit der Projektinitiatoren im sozialen Brennpunkt. Ihnen kommt der Preis wie gerufen. Bisher haben die Auszubildenden nicht nur ehrenamtlich gearbeitet, sondern auch alle anfallenden Kosten aus dem eigenen Portemonnaie bestritten.

Ein Video zu diesen Preisträgerinnen finden Sie hier.

Aktuelle Fotos von allen Preisträgern finden Sie hier.