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Mira Stepec

Durchstarten e.V. – ehrenamtlich Brücken schlagen zwischen Schulen und Betrieben

Mira Stepec, Durchstarten e.V.

Wie es in der Küche eines Restaurants zugeht oder was in einem Friseursalon passiert – das glauben die meisten Jugendlichen zu wissen. Aber ob sie genügend Talent und Spaß haben, dort zu arbeiten, das können sie nur herausfinden, indem sie selbst einmal mit anpacken. Am besten in lockerer Atmosphäre außerhalb des Schulunterrichts, ohne Leistungsdruck und unter fachlicher Anleitung. „Jugendliche brauchen Orientierungshilfe bei der Berufswahl. Die Schule allein kann das nicht leisten“, meint Mira Stepec, 31.

Als Assistenz-Lehrkraft („Fellow“) der Bildungsinitiative Teach First Deutschland an einer Hauptschule in Duisburg-Hamborn hatte sie vor gut drei Jahren erlebt, wie schwierig es für Schüler sein kann, einen Berufswunsch zu entwickeln – und dann den Sprung in einen Ausbildungsbetrieb zu schaffen. Damals wollte Stepec die Atmosphäre an der Schule durch gemeinsames Kochen ein wenig auflockern und entwickelte das Projekt „Das perfekte Comenius Dinner“. Dabei konnten Schüler gemeinsam mit Eltern und Lehrern sowie einem bekannten Duisburger Koch ihre Fähigkeiten in der Küche erweitern und nebenbei Allerlei über die Arbeit in der Gastronomie erfahren. Am Ende gab es ein individuelles Empfehlungsschreiben des Kochs.

Der große Erfolg des Projekts gab Stepec den Anstoß dazu, mehr zu machen: „Ich wollte, dass möglichst viele Schüler der neunten und zehnten Klassen Gelegenheit haben, in solchen Projekten ihre Talente zu entdecken und sich mit der eigenen Zukunftsplanung auseinanderzusetzen.“ So gründete die gebürtige Dattelnerin Ende 2013 den gemeinnützigen Verein Durchstarten e.V. Er versteht sich als Schnittstelle zwischen schulischer und beruflicher Bildung und organisiert in Zusammenarbeit mit lokalen Betrieben berufsorientierte Projekte in mehreren Haupt- und Gesamtschulen im Ruhrgebiet. Aktuell bietet der Verein in Bochum, Duisburg und Dinslaken mehrtägige Workshops aus den Bereichen Gastronomie und Friseurhandwerk an. Treffpunkte sind jeweils die Schulen. Dort bereiten die Jugendlichen dann unter Anleitung von Profis mehrgängige Menüs zu oder kreieren Hochsteckfrisuren. „Schöner wäre es, raus aus den Schulen zu kommen und direkt in den Betrieben zu arbeiten“, wünscht sich Stepec. Bald soll es auch Veranstaltungen für Floristik-Interessenten geben. Das Fernziel lautet, möglichst viele Handwerksberufe zu präsentieren. „Zu einigen Maler- und Schreinerbetrieben haben wir bereits Kontakte geknüpft“, sagt die Gründerin des Vereins Durchstarten.

Schülerinnen und Schüler sind nach ihrer Erfahrung meist Feuer und Flamme, wenn ein Workshop angeboten wird. Das Problem sei vielmehr, Betriebe zum Mitmachen zu bewegen. „Es scheitert oft an fehlender Zeit. Dabei müssten die Firmen angesichts knapper Bewerberzahlen eigentlich sehr interessiert daran sein, motivierte Kräfte zu finden.“ Auch für Stepec, die bei der Rebey in Recklinghausen, einem Tochterunternehmen der Arbeiterwohlfahrt, als Berufseinstiegsbegleiterin an Haupt- und Förderschulen arbeitet, ist Zeit ein knappes Gut. Sie managt den Verein Durchstarten gemeinsam mit drei aktiven Mitstreitern in ihrer Freizeit.

Die Mühe ist es ihr wert, wenn sie Geschichten wie die von Ismail und Bürsa hört. Die beiden Schülerinnen aus Duisburg-Hamborn hatten durch die Gastronomie-Projekte an ihrer Schule ihr Talent für die Arbeit in der Küche entdeckt. In Kürze beginnen sie eine Ausbildung zu Assistenten für Ernährung und Versorgung.

Ein Video zur Preisträgerin finden Sie hier.

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