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Sabiha Cetinkaya

Wer will, der kann! – Türkisch-Deutsche Studierenden und Akademiker Plattform e.V. will Mut machen zum Studium

Sabiha Cetinkaya, Türkisch-Deutsche Studierenden und Akademiker Plattform e.V.

Die eigene Bildungsbiografie hat Sabiha Cetinkaya, 43, gelehrt, wie wichtig es ist, einen Mentor zu haben. Einen Coach, der einem hilft, den Weg in einen akademischen Beruf zu finden. „Ich war die Erste in meiner Familie, die einen Uni-Abschluss anstrebte und habe im ersten Anlauf fürchterlich Schiffbruch erlitten“, erinnert sie sich. Gern hätte sie Anfang der neunziger Jahre jemanden gehabt, der sie im Alltag an der Ruhr-Universität Bochum ein wenig an die Hand nimmt. Ihr die Angst vor der Anonymität nimmt, sie in Fragen um ihr Jura-Studium berät und bei ganz praktischen Dingen, wie der Beantragung von Bafög, hilft. „Ich habe mich einsam gefühlt – auch weil die Rückendeckung aus der Familie fehlte.“ Diese Erfahrung hat Sabiha Cetinkaya, inzwischen Diplom-Kauffrau und Arbeitsvermittlerin im Jobcenter Dortmund, bewogen, Kindern aus hochschulfernen Familien zu helfen, einen höheren Bildungsabschluss zu schaffen.

Als eine von mehreren Projektleiterinnen „Bildung“ bei der TD-Plattform, einem Zusammenschluss türkisch-deutscher Studierender und Akademiker, kümmert sich Sabiha Cetinkaya vor allem darum, Schülerinnen und Schüler im Ruhrgebiet an ein Studium heranzuführen. Das Projekt heißt: „Wer will, der kann! – Isteyen Yapar!“ Seit 2012 geht sie zusammen mit anderen ehrenamtlich tätigen Mentoren in Gelsenkirchener Schulen, fragt ältere Jugendliche nach ihren Berufswünschen, informiert und wirbt für eine akademische Ausbildung. „Es gehört viel dazu, sich für ein Studium zu entscheiden, wenn die Eltern das für sinnlos halten und fordern: Werde doch Handwerker wie wir auch“, weiß Sabiha Cetinkaya. Ihre Mitstreiter und sie halten mit einer intensiven Beratung und Betreuung der Jugendlichen dagegen. In Workshops informieren sie Schülerinnen und Schüler ausführlich über Berufswahl und Zugangsvoraussetzungen, Hochschulformen, Duales Studium, Bafög und Stipendien. Entsprechend den Berufswünschen organisieren sie Besuche von Unternehmen, fahren gemeinsam zu Universitäten und Fachhochschulen und vermitteln Kontakte zu Behörden und Institutionen. Die Mentoren sind sowohl Studierende als auch Hochschulabsolventen, die sich in den Themenfeldern Schule, Beruf, Ausbildung und Studium auskennen und Vorbildfunktion haben. „Sie erzählen viel von ihrem eigenen, auch nicht immer geraden Bildungsweg. Das macht sie authentisch und baut Hürden ab“, berichtet die Bildungsexpertin.

Ursprünglich war das Projekt ausschließlich für Schüler mit Migrationshintergrund gedacht. Doch dann, so erzählt Sabiha Cetinkaya, hätten alle Beteiligten schnell gesehen, dass die Probleme in deutschen hochschulfernen Familien ähnlich sind. „Inzwischen ist die Teilnehmergruppe gemischt.“

Als Projektleiterin kümmert sich Sabiha Cetinkaya um die Einbeziehung von weiteren Schulen, Behörden und Institutionen in die Bildungsarbeit der TD-Plattform. Aber sie ist auch Mentorin. Ihre eigene Bildungskarriere sowie ihre interkulturelle Kompetenz machen es ihr besonders leicht, Zugang zu Schülern und Eltern zu finden. Die zeitliche Belastung ist enorm – vor allem in den Wochen, in denen die Workshops stattfinden. „Das Ganze ist fast eine Teilzeitbeschäftigung“, meint Sabiha Cetinkaya. Aber dann denkt sie an einige Schüler der Gesamtschule Horst in Gelsenkirchen, die sie betreut hat und die gerade ihr Studium abgeschlossen haben: „Das macht Mut, weiterzumachen.“

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