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TalentAward Ruhr 2016: Preisträgerin Cordula Hiller-Kitzmann

Potenziale entdecken, Schüler motivieren und begleiten – Programm zur Berufs- und Studienorientierung

Cordula Hiller-Kitzmann erhielt den TalentAward Ruhr 2016 für das Programm zur Berufs- und Studienorientierung an der Theodor-König-Gesamtschule in Duisburg (Foto: Initiativkreis Ruhr).

„Ich habe ja mit Menschen zu tun.“ Diese Einstellung ist es, die Cordula Hiller-Kitzmann, 50, antreibt, sich auch außerhalb der regulären Arbeitszeit unermüdlich für ihre Schüler einzusetzen. Ihre Schüler, das sind zum großen Teil Mädchen und Jungen aus Familien mit einem schwierigen sozialen Hintergrund. Dazu zählt sie zum Beispiel Eltern unterschiedlichster Nationalität ohne Bildungsabschluss. Cordula Hiller-Kitzmann ist Lehrerin für Erdkunde und Chemie und Leiterin der gymnasialen Oberstufe an der Theodor-König-Gesamtschule in Beeck. Das ist der Duisburger Stadtteil, der den dritthöchsten Anteil an Menschen mit Migrationshintergrund hat. Ihr besonderer Antrieb ist eine Erfahrung, die sie als Schülerin selber gemacht hat – damals ging es ihr nicht gut, weil die Mutter schwer erkrankt war. Erst nach der Klausur sprach der Chemielehrer sie an: „Was ist denn los? Was hast du für einen Quatsch geschrieben?“ Hiller-Kitzmann sagt: „Besser ist es, rechtzeitig  Probleme anzusprechen und nach Lösungen zu suchen.“

Probleme, das sind bei den Duisburger Schülerinnen und Schülern beispielsweise ein schwieriges soziales Umfeld, finanzielle Not, fehlende familiäre Unterstützung. Ihnen will Hiller-Kitzmann vermitteln: „Jeder hat eine Chance. Jeder hat Potenziale, die es nachhaltig zu fördern gilt.“ Sie hat frühzeitig gemeinsam mit der Schulleitung ein mehrstufiges Berufs- und Studienorientierungsprogramm für die Mittel- und neu gegründete Oberstufe aufgebaut. In der 8. Jahrgangsstufe werden die Potenziale der Schüler besprochen und Berufsbilder erarbeitet. In der 10. Stufe haben alle Schüler die Möglichkeit, ein Jahr lang einmal wöchentlich als Praktikant ein Unternehmen kennenzulernen. Hieraus haben sich schon Ausbildungsplätze ergeben. Vor dem Übergang in die Oberstufe gibt es vorbereitende Brückenkurse und Methodentrainings. In den Stufen 11 und 12 besuchen Schüler regelmäßig Ausbildungsmessen und Veranstaltungen für Abiturienten, die intensiv vorbereitet werden. In der 13. Stufe finden Hochschul- und Studienberatungen statt. Während der gesamten Findungsphase hört Hiller-Kitzmann sich die Nöte und Sorgen der Schüler an und sucht die Gespräche mit den Eltern. Sie sieht und stellt die Leistungen in den sozialen Kontext – stets mit dem Ziel, die beste Perspektive und den bestmöglichen Schulabschluss für jeden Einzelnen zu finden.

Die Maßnahmen, von der gesamten Lehrerschaft getragen und unterstützt, haben zu einer niedrigen Quote an Schülern geführt, die durch die Abiturprüfung fallen: etwa 90 Prozent bestehen an der Theodor-König-Gesamtschule ihr Abitur, 30 Prozent machen eine Ausbildung, 70 Prozent studieren. Eine erstaunliche Leistung, vor allem da 90 Prozent aller Schüler mit einer Hauptschulempfehlung kommen.

Es gibt auch Tage, an denen Cordula Hiller-Kitzmann am Sinn für alle Bemühungen zweifelt. Doch sie kann sich immer wieder aufs Neue motivieren. „Oft sind es die kleinen Dinge, die mich anspornen, wie eine ehemalige Schülerin, die jetzt studiert. Dann weiß ich: Die Zeit und Energie ist sinnvoll investiert.“ Im Gegenzug müssen die Schüler sich an Regeln halten, beispielsweise 50 Cent in die Klassenkasse zahlen, wenn sie mit Jogginghose kommen. Oder sie müssen einmal früher kommen, wenn sie sich dreimal verspätet hatten. Hält ein Schüler sich gar nicht an die Spielregeln, erhält er die rote Karte. Schulverweise werden ausgesprochen, um den sozialen Frieden an der Schule nicht zu gefährden.

Alle Maßnahmen verfolgen das eine Ziel: den Kindern einen respektvollen und ehrlichen Umgang mit anderen Menschen beizubringen und sie gut aufs (Berufs)Leben vorzubereiten. „Die Schüler haben es verdient“, sagt Cordula Hiller-Kitzmann. Sie scheut sich übrigens nicht, sich den Kindern als privater Mensch zu öffnen. Denn es war das Gespräch mit dem Lehrer, das ihr damals klar machte: Es hilft über Probleme zu sprechen. „Das Gleiche sollen meine Schüler erfahren.“ 

Ein aktuelles Foto der Preisträgerin finden Sie hier.