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TalentAward Ruhr 2016: Preisträgerin Serap Tanis

Mütter integrieren, Talente wecken – MuT Mütter und Talent

Serap Tanis, die in Oberhausen als Mitarbeiterin des Katholischen Jugendwerks „die kurbel“ Mütter mit Migrationshintergrund zu Interkulturellen Botschafterinnen qualifiziert, ist Preisträgerin des TalentAward Ruhr 2016 (Foto: Initiativkreis Ruhr).

Serap Tanis, 51, vergleicht sich gerne mit einer Perlentaucherin. Auch die, so meint sie, suchten unter schwierigen Bedingungen nach verborgenen Schätzen. Das Revier, in dem Tanis, Koordinatorin der ZIB-Bildungsoffensive im Katholischen Jugendwerk Oberhausen gemeinnützige GmbH „die kurbel“, fischt, sind die vielen Mütter, die ausländische Wurzeln haben und nicht berufstätig sind. Etwa eine Million gibt es davon in Deutschland. Dass sie keinen Job haben, hat zum einen damit zu tun, dass Familie und Beruf generell für viele Mütter schwer zu vereinbaren sind. „Für Frauen mit Migrationshintergrund sind die Hürden häufig besonders hoch“, weiß Tanis, in Istanbul geboren und Mutter einer 17-jährigen Tochter. Warum? „Weil sie sich oft wenig zutrauen und verschüchtert sind – vor allem aufgrund sprachlicher Defizite.“

So wie Hayat Knoopen, 36. Die Marokkanerin hatte mit 20 Jahren ihre Heimat verlassen, nach ein paar Jahren Schule und einer Schneiderlehre. Lesen und Schreiben fällt ihr schwer – deshalb hat sie viele Jahre wenig Selbstbewusstsein gehabt. Bis sie Serap Tanis traf. „Sie hat mir klar gemacht, dass mein Wert als Mensch nicht nur an schulischen Leistungen gemessen wird, sondern an meiner Person, an meinem Können und an meiner Arbeit. Und sie hat mich motiviert und mir immer wieder vor Augen geführt, dass ich selbst die Macht habe zu entscheiden, was ich aus meinem Leben mache“, erzählt Hayat Knoopen. Seit dem vergangenen Jahr ist sie im Brückenkindergarten der ZIB-BILDUNSOFFENSIVE in Oberhausen angestellt.

Serap Tanis hat Erziehungswissenschaften in Duisburg studiert. 2007 hat sie als Mitarbeiterin des Katholischen Jugendwerks Oberhausen, „die kurbel“ erstmals eine Qualifizierung von Müttern zu Interkulturellen Mediatorinnen durchgeführt. Dabei war es neu und innovativ, Mütter als Zielgruppe für eine Förderung auszuwählen und sie als Multiplikatorinnen in ihrem Umfeld einzusetzen. „Mütter haben einen ganz besonderen Zugang zu ihrer Familie und ihrem Bekanntenkreis. Sie erzählen von ihren Erfahrungen und werden so zu Bildungsbotschafterinnen“, betont die Diplom-Pädagogin. Ihr ist es wichtig, die Menschen da „abzuholen“, wo sie stehen, – mit ihren Erfahrungen, Kompetenzen und den Sprachkenntnissen, die sie besitzen. Und sie dann zu bestärken, ihnen Selbstvertrauen zu vermitteln und ihre Talente zu fördern. „Es geht also nicht nur um die Vermittlung von Wissen“, betont Tanis.

Seit 2014 wird das Projekt „MuT – Mütter und Talent“ vom Bundesfamilienministerium gefördert. Das macht es möglich, langfristiger zu planen und die Frauen jeweils für ein Jahr zu begleiten und zu qualifizieren. Sie bekommen Einzel- und Bewerbungscoachings sowie ein Coaching in der Gruppe für berufliche und soziale Kompetenzen. Aktuell nutzen mehr als 50 Mütter diese Chance. Sie sind zwischen 25 und 55 Jahre alt, Akademikerinnen oder auch mit einem niedrigeren Bildungsabschluss und stammen aus den unterschiedlichsten Ländern aus fast allen Kontinenten. Tanis legt Wert auf „gemischte Gruppen“. Da lernen die Teilnehmerinnen nach ihrer Einschätzung sehr viel voneinander. Beispielsweise seien Akademikerinnen in solchen Runden anfangs häufig eher zurückhaltend. Denn sie hätten hohe Ansprüche an sich, seien aber aufgrund der (vermeintlichen) Sprachhürde unsicher. „Wer dagegen einen geringeren Bildungsabschluss besitzt, hat oft mehr Mut, sich zu präsentieren“, beobachtet Tanis. Gleichwohl entwickelt sie auch Angebote, die besondere Fähigkeiten oder Netzwerke unterstützen, wie etwa ein Akademikerinnen-Café.

Die Teilnehmerinnen für ihr Projekt gehen Tanis so rasch nicht aus. „Die Mediatorinnen, die wir ausgebildet haben, tragen die Idee in die Gesellschaft weiter. Sie sind authentisch und somit die besten Vorbilder und Wegbegleiter.“

Ein aktuelles Foto der Preisträgerin finden Sie hier.