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Yassine Zerari

Berufsorientierung und Ausbildungsvorbereitung: Duisburger Schulmodell der Niederrheinischen IHK

Yassine Zerari, 33, IHK Duisburg-Wesel-Kleve

Die eigene Bildungsbiografie hat Yassine Zerari, 33, gelehrt, wie wichtig es ist, einen Coach zu haben, der einem hilft, den Weg in den Beruf zu finden. „Ich war als junger Mensch extrem orientierungslos“, erinnert sich der Sohn algerischer Einwanderer, die 1969 nach Deutschland kamen. Gern hätte er nach dem Abitur in Duisburg-Marxloh jemanden gehabt, der ihm die Sorgen und Nöte genommen hätte, die mit der Entscheidung für einen Beruf verbunden sind. „Aber in meinem Umfeld gab es niemanden, der mir helfen konnte.“ So hat Yassine Zerari an der Universität Duisburg-Essen viele Schleifen gedreht, „ewig lange“ studiert. Und sich während dieser Zeit immer wieder für die Belange junger Menschen engagiert – als Koordinator kostenloser Hausaufgabenhilfe für sozial benachteiligte Jugendliche oder als Betreuer bei Freizeitangeboten der Stadt Duisburg.

Als Mitarbeiter der Niederrheinischen IHK hat er das 2010 gestartete „Duisburger Schulmodell“ zu einem Vorzeigeprojekt in der örtlichen Bildungslandschaft gemacht. Hinter dem Modell steht die Idee, leistungsschwächere Schüler und Schülerinnen, die im regulären Bewerbungsprozess nur wenige Möglichkeiten haben, zu fördern. Sie sollen die Chance erhalten, abseits von Schulnoten ihre Talente und Stärken Personalverantwortlichen von Unternehmen zu präsentieren. Zur ersten Kontaktaufnahme organisiert Yassine Zerari an 13 Haupt-, Real- und Gesamtschulen im Duisburger Stadtgebiet regelmäßig Workshops zum Thema Berufsorientierung. Er hilft bei der Formulierung von Bewerbungen und bietet vor einem Vorstellungsgespräch ein intensives Einzelchoaching an. Dabei geht es neben der Stärkung des Selbstbewusstseins auch um vermeintliche Kleinigkeiten wie die angemessene Kleidung und die korrekte Begrüßung. Bei den Jugendlichen genießt Yassine Zerari nicht zuletzt aufgrund seines Hobbys hohe Akzeptanz: Er geht gelegentlich als Rapper mit dem Mikrofon auf die Bühne.

Die IHK wirkt als Kontaktbörse zwischen Unternehmen und Schülern. Dorthin lädt Yassine Zerari regelmäßig Vertreter von Betrieben ein, die auf der Suche nach Auszubildenden sind. Jeder Schüler hat dann etwa 20 Minuten Zeit, sich einem Personalverantwortlichen vorzustellen – und erhält am Ende ein ehrliches Feedback. „Das bietet die Chance, es beim nächsten Mal möglicherweise besser zu machen. Denn im üblichen Bewerbungsverfahren erfahren gescheiterte Kandidaten nicht, warum sie abgelehnt wurden“, betont Yassine Zerari. Neben den Kontaktgesprächen in der IHK organisiert er einmal im Jahr ein „Azubi-Speed-Dating“ in der Duisburger Schauinsland-Arena. Wer da mitmacht, muss kräftig aufs Tempo drücken, denn ihm bleiben pro Gespräch nur zehn Minuten Zeit, um Personalfachleuten seine Talente und Stärken zu präsentieren.

Knapp 80 Unternehmen hat Yassine Zerari inzwischen dafür gewinnen können, am Duisburger Schulmodell mitzumachen. Die Teilnahme ist auch für sie ein Gewinn, denn im Zuge der demografischen Entwicklung wird es immer schwieriger, geeignete und motivierte Auszubildende zu finden. In den vier Jahren seit Bestehen des Modells wurden mehr als 200 Jugendliche an Betriebe vermittelt, die anderenfalls möglicherweise keine Chance auf einen Ausbildungsplatz gehabt hätten.

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