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Zukunftsworkshop zur Bildungskluft zwischen Arm und Reich

Der diesjährige Zukunftsworkshop des Initiativkreises Ruhr brachte in Dortmund rund 100 Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Schule zum Thema „Arm und Reich – Bildungszugänge schaffen, Chancengleichheit herstellen“ zusammen. Sie diskutierten auch über das gemeinsame Wirken für mehr Bildungsgerechtigkeit im Ruhrgebiet.

Zukunftsworkshop 2016 Rund 100 Experten aus Schulen, Wirtschaft und Wissenschaft tauschten sich beim Zukunftsworkshop des Initiativkreises Ruhr zum Thema Bildungsgerechtigkeit aus (Foto: IR).

Zukunftsworkshop 2016 Andreas Spielmann, Partner bei der Ernst & Young GmbH, begrüßte die Gäste (Foto: IR).

Zukunftsworkshop 2016 Wie kann man für Bildungsgerechtigkeit sorgen? Diese Frage diskutierten der Journalist Marco Maurer und Dr. Imke Dunkake vom Institut für Bildungsforschung der Bergischen Universität Wuppertal (links) mit Moderatorin Britta Mersch (Foto: IR).

Zukunftsworkshop 2016

Zukunftsworkshop 2016

Zukunftsworkshop 2016 In Themenworkshops brachte das Fachpublikum eigene Erfahrungen ein und lernte neue Formate kennen (Foto: IR).

Zukunftsworkshop 2016 In Themenworkshops brachte das Fachpublikum eigene Erfahrungen ein und lernte neue Formate kennen (Foto: IR).

Zukunftsworkshop 2016 In Themenworkshops brachte das Fachpublikum eigene Erfahrungen ein und lernte neue Formate kennen (Foto: IR).

Zukunftsworkshop 2016 Mark Becker von der RuhrFutur gGmbH referierte über das gemeinsame Wirken für mehr Bildungsgerechtigkeit in der Metropole Ruhr (Foto: IR)

Zukunftsworkshop 2016 Marcus Kottmann vom NRW-Zentrum für Talentförderung diskutierte mit den Workshopteilnehmern, wie Bildungsaufstiege gelingen können (Foto: IR).

Zukunftsworkshop 2016 Yassine Zerari von der Niederrheinischen IHK zu Duisburg stellte das Duisburger Schulmodell vor (Foto: IR).

Zukunftsworkshop 2016 Sabiha Cetinkaya von der Türkisch-Deutschen Studierenden und Akademiker Plattform erläuterte, warum es wichtig ist, frühzeitig in Schüler zu investieren (Foto: IR).

Zukunftsworkshop 2016

Arbeiterkinder schaffen es nur selten an die Hochschule: Während 77 Prozent aller Akademikerkinder studieren, beträgt dieser Anteil bei Kindern aus Nichtakademiker-Familien nur 23 Prozent. Das geht aus einer Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerkes hervor. Auch der aktuelle Armutsbericht der Bundesregierung belegt, wie sehr die Bildungschancen von Kindern in Deutschland von der finanziellen Situation der Haushalte abhängen. Arm und Reich, Nord und Süd – in kaum einer Region wird das Armuts- und Bildungsgefälle so deutlich sichtbar wie im Ruhrgebiet. Dies nahm die TalentMetropole Ruhr, die Bildungsinitiative des Initiativkreises Ruhr, zum Anlass und lud Vertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft und Schule ein, um mit ihnen über Bildungsaufstiege, Chancengleichheit und Berufsberatung zu diskutieren.

TalentMetropole Ruhr will Begabungen von Jugendlichen fördern
Andreas Spielmann, Partner bei der Ernst & Young GmbH, begrüßte die Gäste. Anschließend wies Bernd Kreuzinger vom Initiativkreis Ruhr darauf hin, dass oftmals nicht die Talente und Fähigkeiten über den Bildungsweg entscheiden, sondern die familiären Hintergründe. Er stellte die Arbeit der TalentMetropole Ruhr vor. Sie hat es sich zur Aufgabe gemacht, Jugendlichen den Übergang von der Schule in den Beruf zu erleichtern sowie die Begabung und Talente junger Menschen zu entdecken und zu fördern. Kreuzinger betonte: „Wir glauben, dass im Ruhrgebiet gewaltige Talentreserven schlummern. Diese Potenziale wollen wir gemeinsam mit Partnern aus Wirtschaft, Schulen, Hochschulen und Gesellschaft aufspüren und über eine gezielte Förderung zur Entfaltung bringen. Das ist unsere gemeinsame Zukunftsaufgabe.“

Wie kann man für Bildungsgerechtigkeit sorgen? Diese Frage diskutierten der Journalist Marco Maurer und Dr. Imke Dunkake vom Institut für Bildungsforschung der Bergischen Universität Wuppertal. Für die Soziologin Dunkake ist es wichtig, dass Schulen Ressourcen schaffen und die Politik den Bildungseinrichtungen mehr Personal zur Verfügung stellt. Freizeitangebote seien wichtig, um Leistungserfolge zu fördern. Gerade Jugendliche aus schwierigen Familienverhältnissen und einem Umfeld mit geringem Bildungsinteresse brauchten eine Schule, die Alternativen bietet. Hierzu sei es wichtig, dass Eltern und Schule gemeinsam an einem Strang ziehen.

Marco Maurer: Nicht jeder muss Akademiker werden
Maurer, der sein Abitur über den Zweiten Bildungsweg an einem Berufskolleg erworben hat, schrieb mit „Du bleibst was du bist“ ein Buch über Chancenungleichheit im Bildungssystem. Die vielen Leserbriefe und Rückmeldungen auf sein ZEIT-Dossier „Ich Arbeiterkind“, in dem er von seinen persönlichen Erfahrungen berichtet hatte, motivierten ihn, das Thema ausführlicher zu recherchieren. Dazu reiste er nach Finnland. „Dort begegnen sich die verschiedenen Milieus nicht nur mehr an der Supermarktkasse, sondern in neun gemeinsamen Schuljahren. In diesen entsteht eine ausbalanciertere Gesellschaft. Bei uns wird dieses Entstehen oftmals nach vier oder sechs Jahren verhindert, durch unser zwei- bis dreistufiges Schulsystem." Auch das Schulessen in Finnland sei gratis, ebenso wie die Schulhefte. An der Schule, die er besucht habe, gab es mehrere Lehrer, eine Schulpsychologin und eine Krankenschwester pro Klasse. Das sei der Schlüssel zum Erfolg – aber in Deutschland unvorstellbar. Maurer betonte zudem, dass die in den vergangenen Jahren gestiegene Abiturquote kein ausreichender Indikator für die Zunahme der Chancengerechtigkeit hierzulande sei. Wer eine handwerkliche Ader und dazu eine Begabung habe, solle – unabhängig ob die Eltern Akademiker oder Nicht-Akademiker sind – Handwerker werden. „Es muss also nicht jeder Akademiker werden. Wer den Traum und die Begabung hat, sollte jedoch die Chance dazu haben.“

Vier Themenworkshops zum Thema Bildung
In den anschließenden Themenworkshops brachte das Fachpublikum eigene Erfahrungen ein und lernte neue Formate kennen. Die Themen im Einzelnen:

Yassine Zerari von der Niederrheinischen IHK zu Duisburg stellte das Duisburger Schulmodell vor und erläuterte, wie er in seiner täglichen Arbeit Brücken zwischen Wirtschaft und Jugendlichen aus Risikolagen baut.

Marcus Kottmann vom NRW-Zentrum für Talentförderung diskutierte mit den Workshopteilnehmern, wie Bildungsaufstiege gelingen können. Talentscouts seien ein wichtiges Element bei der Entdeckung und Entfaltung von Begabungen.

Sabiha Cetinkaya von der Türkisch-Deutschen Studierenden und Akademiker Plattform erläuterte, warum es wichtig ist, frühzeitig in Schüler zu investieren. Dabei sollte das Ziel sein, Kindern aus hochschulfernen Familien zu helfen, einen höheren Bildungsabschluss zu schaffen.

Mark Becker von der RuhrFutur gGmbH referierte über das gemeinsame Wirken für mehr Bildungsgerechtigkeit in der Metropole Ruhr. Dabei müsse es darum gehen, zuverlässige und dauerhafte Strukturen zu schaffen.

Die abschließende Talkrunde mit den Workshop-Leitern moderierte Bildungsjournalistin Britta Mersch. Auch hierbei wurde noch einmal deutlich, dass Eltern stärker in den Bildungsprozess einbezogen und die pädagogische Arbeit in den einzelnen Quartieren der Region verstärkt werden müssen. Die Bildungseinrichtungen im Ruhrgebiet bräuchten bessere Erziehungshilfen für sogenannte Problemfamilien, ein qualitativ hochwertiges Angebot an Krippen, Kindergärten, Schulen und Weiterbildungseinrichtungen sowie eine wirkungsvolle, kontinuierliche Förderung der Sprachkompetenz. Die Gäste waren sich einig, dass es Ziel der Bildungspolitik sein müsse, die Gruppe der Abgehängten zu verkleinern. Hierzu seien neue Strukturen und Investitionen nötig.

Weitere Informationen auf talentmetropoleruhr.de.