Interviews

„Der Klimawandel wartet nicht“


26. September 2019

Prof. Dr. Uli Paetzel, Chef von Emschergenossenschaft und Lippeverband, Prof. Dr. Uli Paetzel, Chef von Emschergenossenschaft und Lippeverband, Prof. Dr. Uli Paetzel, Chef von Emschergenossenschaft und Lippeverband, Prof. Dr. Uli Paetzel, Chef von Emschergenossenschaft und Lippeverband,
Prof. Dr. Uli Paetzel, Chef von Emschergenossenschaft und Lippeverband (Foto: EGLV/Klaus Baumers)

Initiativkreis Ruhr im Interview: Prof. Dr. Uli Paetzel, Chef von Emschergenossenschaft und Lippeverband, über die Folgen von Hitze und Starkregen für das Ruhrgebiet, den Schutz des Ökosystems in den Städten und seine Vorschläge für die Ruhr-Konferenz.

Die nordrhein-westfälische Landesregierung will mit einer Ruhr-Konferenz dem Ruhrgebiet neue Impulse geben. Foren zu Themen wie Energiewende und Klimaschutz, Wissenschaft und Innovationen, Zukunft der Arbeit oder neue Mobilität haben mittlerweile Potenziale der Region identifiziert und Projektideen entwickelt. Ende Oktober soll das Landeskabinett auswählen, welche von insgesamt 75 Vorschlägen dann zu Leitprojekten der Konferenz werden. Moderiert wurden die Themenforen zumeist von einem Kabinettsmitglied und Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Wissenschaft, Kultur, Sport und Gesellschaft. In elf von 20 Themenforen waren Vertreter von Mitgliedsunternehmen des Initiativkreises Ruhr eingebunden. Hier kommen sie dazu in loser Folge zu Wort. Diesmal im Interview: Prof. Dr. Uli Paetzel, Vorstandsvorsitzender der Emschergenossenschaft und des Lippeverbandes. Gemeinsam mit NRW-Umweltministerin Ursula Heinen-Esser moderierte er das Themenforum „Wie kann die Grüne Infrastruktur gestärkt werden, um zur ökologischen Vielfalt und zur Anpassung an den Klimawandel beizutragen und die Region lebenswerter zu machen?“

Wo hat das Revier aus Ihrer Sicht Nachholbedarf, was muss möglichst schnell passieren?

 

Im Ruhrgebiet leben wir in einer hochverdichten Metropolregion. Die Veränderungen des Klimas treffen uns also besonders. Lange Hitzeperioden mit wenigen Niederschlägen wechseln zukünftig noch häufiger mit Starkregenereignissen. Hohe Temperaturen und schlechte Luft machen Menschen krank, das Stadtgrün leidet unter extremer Trockenheit. Wir erleben, dass Bachläufe trockenfallen, werden aber auch im Umkehrschluss mit Überschwemmungen und den finanziellen Konsequenzen umgehen müssen. Ohne Anpassungsmaßnahmen, die zeitnah und in großem Umfang stattfinden, hinterlassen wir kommenden Generationen große Probleme. Der Klimawandel wartet nicht. Wir müssen im Ruhrgebiet jetzt dringend konkrete Maßnahmen für die Klimaanpassung umsetzen.

Was kann, was soll die Landesregierung tun, kann die Wirtschaft, können die Unternehmen beitragen?

 

Das Ruhrgebiet ist die am dichtesten besiedelte Metropolregion Deutschlands. Um unsere Lebensqualität und wichtige Ökosysteme in den Städten zu erhalten, brauchen wir ein gemeinsames Konzept mit passenden Umsetzungsmaßnahmen. Die Finanzierung von Maßnahmen kann aber nicht mit den bestehenden Förderungen geleistet werden. Hier sind neue Finanzinstrumente gefragt.

Unternehmen hingegen können ganz praktisch durch Entsiegelung ihrer Flächen oder Abkopplungsprojekte – also der Nutzung von Regenwasser – einen Beitrag leisten. Solche Maßnahmen haben wir im Rahmen der Zukunftsinitiative „Wasser in der Stadt von morgen“ bereits an vielen Stellen realisiert.

Ohne Anpassungsmaßnahmen, die zeitnah und im großen Umfang stattfinden, hinterlassen wir kommenden Generationen große Probleme. Der Klimawandel wartet nicht. Wir müssen im Ruhrgebiet jetzt dringend konkrete Maßnahmen für die Klimaanpassung umsetzen.
Welche Ideen möchten Sie persönlich in die Ruhr-Konferenz einbringen?

 

Als Ergebnis eines breiten Diskussionsprozesses haben wir der Landesregierung zwei Projekte zur Förderung vorgeschlagen: die „Grüne Infrastruktur Offensive 2030“ und das Projekt „Klimaresiliente Region mit internationaler Strahlkraft“. Besonders das zweite Projekt liegt mir am Herzen. Hier haben wir Stadtplanung auf Grundlage unserer Erfahrungen der Zukunftsinitiative „Wasser in der Stadt von morgen“ neu gedacht – Wasser soll das zentrale Element sein. Durch die Begrünung von Dächern, Baumpflanzungen oder mehr Versickerungsflächen können Niederschläge gespeichert werden. Bei Verdunstung tritt ein Kühlungseffekt ein und die Feinstaubbildung wird gesenkt.

 

Eine Service-Stelle soll sich um die Abwicklung des Programms kümmern. Denn das Wichtigste ist die unbürokratische Unterstützung bei geplanten Bauvorhaben. Bis 2040 wollen wir so die Verdunstung von Regenwasser um zehn Prozentpunkte erhöhen. Das entspricht im Volumen der Verdunstungsleistung von 600.000 zusätzlichen Bäumen. Das Ruhrgebiet würde damit im Bereich Klimawandelanpassung international eine Spitzenposition einnehmen.

Um unsere Lebensqualität und wichtige Ökosysteme in den Städten zu erhalten, brauchen wir ein gemeinsames Konzept mit passenden Umsetzungsmaßnahmen.

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