Interviews

„Im Homeoffice lasse ich das weiße Hemd auch mal im Schrank“


19. Mai 2020

thyssenkrupp Elevator beschäftigt mehr als 50.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an 1.000 Standorten in rund 60 Ländern. Joseph Greve arbeitet im Essener Hauptquartier als Projektmanager im Bereich „Learning and Transformation“. Der 31-Jährige hat gestern beim ersten digitalen Ideenlabor des Instituts für Arbeitswissenschaft an der Ruhr-Universität Bochum und des Initiativkreises Ruhr über die virtuelle Steuerung von Teams in Zeiten von Corona berichtet. Rund 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer diskutierten Qualitäten und Schwierigkeiten der Arbeit im Homeoffice und teilten ihre persönlichen Erfahrungen.

Joseph Greve (31) arbeitet im Essener Hauptquartier als Projektmanager im Bereich „Learning and Transformation. (Foto: privat)

Herr Greve, wie hat die Corona-Pandemie die Teamarbeit im Bereich „Learning and Transformation“ bei thyssenkrupp Elevator verändert?
In unserem Team haben wir schon vor der Corona-Krise überwiegend virtuell gearbeitet, weil zum Beispiel die Steuerung unserer globalen Trainingsinitiativen in enger Abstimmung mit den dezentralen Business Units erfolgt. Videokonferenzen via Skype for Business mit den internationalen Kolleginnen und Kollegen an verschiedenen Standorten in Nord- und Südamerika, Europa sowie Asien waren für uns also schon vor Corona Alltag – und wir sind entsprechend routiniert in diese „neue“ Zeit gestartet.

Fehlt Ihnen der persönliche Austausch mit den Kolleginnen und Kollegen also gar nicht?
Doch, natürlich fehlt mir der informelle Austausch, etwa in unserem Café Mocca im Hauptquartier. Einfach mal 15 Minuten plaudern oder auch Impulse von Kollegen aus anderen Bereichen zu bekommen, macht das Arbeiten bei thyssenkrupp und in anderen Unternehmen mit aus. Aber für diese Lücke hat sich unser Vorgesetzter eine tolle Idee einfallen lassen.

Und die lautet?
Jeden Tag findet ein 30-minütiges „Virtual-Coffee-Meeting“ statt. Heißt: Wir tauschen uns aus, fragen, wie es den anderen geht, zeigen unseren Homeoffice-Arbeitsplatz und sprechen auch über die Auswirkungen der Corona-Krise für die Gesellschaft. Jeder fühlt sich abgeholt – das ist gerade in diesen turbulenten Zeiten wichtig.

Wie sieht es mit weiteren geschäftlichen Meetings aus?
Unsere Abteilungsmeetings etwa, die wir sonst alle zwei Wochen mit rund 30 Personen aus dem Personalbereich physisch abgehalten haben, finden nun als WebEx-Meeting statt. Das funktioniert sehr gut – auch, weil vorher immer eine Agenda abgestimmt wird, jeder Themen anmelden kann und anschließend die aufgezeichnete Sitzung zur Verfügung gestellt wird. Aber es gibt ja auch Dinge, die man nicht ausschließlich virtuell steuern kann.

Was zum Beispiel?
Ein großer Teil unserer technischen Schulungen findet üblicherweise als Face-to-Face-Training in entsprechenden Schulungszentren statt. In diesen Trainingshallen befinden sich etwa Aufzugschächte sowie Simulatoren für die verschiedenen Steuerungssysteme. Die korrekte und vor allem sichere Montage sowie Wartung von Aufzügen lässt sich nur bedingt als E-Learning durchführen. Aber auch hier entwickeln wir erste Lösungen für unsere Organisation – zum Beispiel durch den Einsatz von Augmented- oder Virtual-Reality-Trainings.

Wirtschaft und Wissenschaft vernetzen

Das Ideenlabor ist ein gemeinsames Format der Ruhr-Universität Bochum und des Initiativkreises Ruhr. Zusätzlich unterstützt wird die Ideenlabor-Reihe durch das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Projekt „inStudies“ und die Worldfactory der Ruhr-Universität Bochum. Es fand nun bereits zum vierten Mal statt und wurde auch von der Gründerallianz Ruhr unterstützt. Angesichts der Corona-Pandemie war der Wissenschafts-Praxis-Dialog zum ersten Mal als Zoom-Konferenz angelegt. Prof. Uta Wilkens und Prof. Dr. Annette Kluge vom IAW begrüßten die rund 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer und gaben Impulse aus der Wissenschaft. Anschließend fanden Einblicke in die Praxis und Diskussionen in digitalen Kleingruppen statt. Zu den Referenten gehörten Markus M. Müller und Dr. Christian Riese (VIACTIV Krankenkasse), André Litim (Litim GmbH & Co. KG, Lohndreherei und Fräserei), Joseph Greve (thyssenkrupp Elevator AG), Kurt Ohlert und Dr. Inga Molenda (VRR AöR) sowie Wilhelm Stock (RWE Power AG).

Welche Chancen birgt die Corona-Pandemie mit Blick auf „neue Arbeitswelten“ Ihrer Meinung nach?
Ich bin mir sicher, dass die Bereitschaft, im Homeoffice zu arbeiten, nach Corona deutlich steigen wird. Im Ruhrgebiet schont das natürlich auch die Umwelt, weil weniger Menschen mit dem Auto zur Arbeit pendeln. Außerdem arbeitet gerade jeder an seinem Skill-Set mit Blick auf virtuelles Arbeiten, viele Unternehmen rüsten nach, das Thema Digitalisierung ist in aller Munde. Wichtig ist meiner Meinung nach, die Balance nicht zu verlieren: Auch zuhause sollte man sich Pausen gönnen und nach Feierabend abschalten. Ich kann mir vorstellen, künftig häufiger von zu Hause aus zu arbeiten. Dann lasse ich das weiße Hemd auch mal im Schrank. (lacht)

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