Interviews

Warum Working Out Loud die Unternehmenskultur verbessert


19. November 2020

Arbeiten und darüber reden - darum geht es bei Working Out Loud (WOL). In so genannten WOL-Circles sollen Unternehmensvertreterinnen und -vertreter ausgewählten Kolleginnen und Kollegen, Vorgesetzten und Followern erzählen, woran sie gerade arbeiten. Wir haben mit Lena Classen, Mitglied im Jungen Initiativkreis Ruhr, über das Prinzip WOL gesprochen.

Frau Classen, Sie arbeiten seit 2018 in der Unternehmenskommunikation der STEAG GmbH. Warum ist ein innovatives Format wie Working Out Loud wichtig für die Unternehmen in der Region?
Weil das Format für eine neue Form der Zusammenarbeit und des Miteinanders steht. Working Out Loud ist ein effektives Instrument, um Silodenken innerhalb der Unternehmensstrukturen zu überwinden und neuen Perspektiven und Sichtweisen Raum zu geben. Ich habe durch meine beiden WOL-Circle Kolleginnen und Kollegen viel besser kennengelernt beziehungsweise einige überhaupt erst kennengelernt. Dadurch haben sich an mehreren Stellen gemeinsame Projekte ergeben, weil wir festgestellt haben, in welchen Bereichen wir uns gegenseitig unterstützen können. Deshalb fällt mein Fazit eindeutig aus: WOL hilft beim Weg zu einer kollegialen, wertschätzenden und für das Unternehmen effizienten Unternehmenskultur. Ich kann das Format nur jedem Unternehmen empfehlen.

Sie haben vor kurzem zum ersten Mal selbst einen WOL-Circle moderiert. Wie kann man sich das gemeinsame Arbeiten während der zwölf Sitzungen vorstellen?
Es gibt einen WOL-Guide, also eine Art Handbuch, in dem jede der zwölf einstündigen Sitzungen genau durchgeplant ist. Durchgeplant heißt, es gibt eine Agenda mit Aufgaben, die die Gruppen dann bearbeiten und besprechen. Es geht immer los mit dem „Check in“ – dabei reflektiert die Gruppe, was sich seit dem letzten Meeting hinsichtlich ihrer Ziele ergeben hat und welche Teilziele die Teilnehmer erreichen konnten. Denn ganz zu Beginn der Treffen legt jeder ein individuelles Ziel für sich fest – das kann ein Projektabschluss sein, das Erlernen einer Fremdsprache oder aber auch etwas Privates. Über die zwölf Wochen hinweg verfolgen alle Teilnehmer dann ihr persönliches Ziel.

Digitaler Austausch über Unternehmensgrenzen hinweg - STEAG öffnet seine WOL-Circle nun auch für Vertreterinnen und Vertreter aus anderen Unternehmen wie etwa der Initiativkreis Ruhr GmbH. (Screenshot: STEAG).

Eigentlich hat der Erfinder von WOL, John Stepper, gar keine Moderation vorgesehen...
Das stimmt. Wir bei STEAG haben das Programm aber etwas angepasst und für uns festgestellt, dass eine Moderation sehr zielführend ist. Deshalb habe ich die einzelnen Übungen jeweils vorbereitet, erklärt und darauf geachtet, dass wir im Zeitlimit bleiben – denn das ist häufig eine große Herausforderung. Manche Übungen sind auch nicht direkt intuitiv – da hilft es, wenn jemand, der bereits WOL-Erfahrung hat, den anderen etwas auf die Sprünge hilft.

Welches Feedback bekommen Sie von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der STEAG GmbH?
Das Feedback fällt durchweg gut aus. Alle Teilnehmer sagen, dass sie dank des neuen Formats ihr Netzwerk viel besser, einfacher und schneller erweitern können. Besonders für neue Kollegen oder für Mitarbeiter an Standorten abseits der Hauptverwaltungen bietet das Format die Chance, schneller Anschluss zu finden. Und weil man in den Circeln sehr offen spricht und auch teilweise persönliche Dinge von sich preisgibt, bauen die Teilnehmer häufig Vertrauen zueinander auf – das ist in einem Unternehmen ja auch etwas Schönes.

Denkbar sind WOL-Circle über Unternehmensgrenzen hinweg. Inwiefern macht sich Ihr Unternehmen dafür stark?
Wir haben diesen Gedanken schon mit Leben gefüllt und in meinem letzten Circle eine Mitarbeiterin der Initiativkreis Ruhr GmbH teilnehmen lassen. Dieses Pilotprojekt hat ganz wunderbar funktioniert und dabei geholfen, neue Perspektiven in die Diskussionen einzubringen. Ich glaube, dass STEAG auch davon besonders profitieren kann – denn nicht überall sind die Herausforderungen dieselben, manche mögen für Außenstehende vielleicht sogar vollkommen unverständlich sein. Der neutrale Blick von außen ist da unglaublich hilfreich. Ich glaube, dass es künftig noch mehr unternehmensdurchmischte WOL-Circle mit STEAG-Kollegen geben wird und setze mich auch gerne weiterhin dafür ein. Außerdem haben wir noch die Idee, bald einen internationalen Circle zu starten. Bislang haben bei uns nur deutschsprachige Teilnehmer mitgemacht. Der Plan ist, einen der nächsten Runden auf Englisch durchzuführen und am liebsten mindestens zwei Kollegen von ausländischen STEAG-Gesellschaften als Teilnehmer zu gewinnen.

Es ist unglaublich, wie viele Gemeinsamkeiten man in den Circles entdeckt. Lena Classen

Über das Format

„Working out loud“ steht für „Observable work + Narrating your work“: Mit diesem Blogpost legte der IT-Berater Bryce Williams 2010 die Initialzündung zur Bewegung. Der US-Amerikaner John Stepper entwickelte die Methode weiter und machte sie ab 2015 durch sein gleichnamiges Buch vor allem in Deutschland bekannt.

Die fünf Prinzipien des WOL lauten: Beziehungen, Großzügigkeit, Sichtbarkeit, zielgerichtetes Verhalten und wachstumsorientiertes Denken.

Welche WOL-Übung gefällt Ihnen besonders gut?
Ich finde die Übungen aus Woche fünf zum Thema „Mach es persönlich“ super spannend. In einer Übung geht es zum Beispiel darum, zehn Fakten über sich vorzustellen und dann in der Gruppe darüber zu sprechen. Es ist unglaublich, wie viele Gemeinsamkeiten man dabei in den Circles entdeckt: Manchmal sind es die gleichen Hobbys, ähnliche Interessen, dieselbe Uni, die gleichen Schicksalsschläge oder es kommt heraus, dass man gemeinsame Bekannte hat. Durch diese Übung lernt man also nicht nur viel über seine Circle-Teilnehmer, sondern auch, dass man mit so ziemlich jedem Menschen, den man trifft, eine Gemeinsamkeit hat. Mit diesem Bewusstsein fällt das Zugehen auf Kollegen oder Geschäftspartner meiner Meinung nach deutlich leichter – und genau das macht Working Out Loud am Ende aus.


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